Publikationen – BEIGEWUM

Kategorie: Publikationen


Warum sich die Mittelschicht von den Reichen nicht in Geiselhaft nehmen lassen darf – Buchpräsentation: Mythen des Reichtums

27. November 2014 – 13:34 Uhr

War­um sich die Mit­tel­schicht von den Rei­chen nicht in Gei­sel­haft neh­men las­sen darf. Buch­prä­sen­ta­ti­on: Mythen des Reichtums

Mitt­woch, 3.12.2014

Aula im Alten AKH

18:30h – 20:30h

Anschlie­ßend: Geträn­ke und Brötchen

»Wir sind alle Teil der Mit­tel­schicht, die gro­ßen sozia­len Ver­wer­fun­gen von frü­her sind über­wun­den«  Dies wol­len uns aktu­ell unter­schied­li­che Kam­pa­gnen glau­ben machen um die Inter­es­sen des obers­ten Pro­zents zu wah­ren. Der Begriff der Mit­tel­schicht ist dafür stra­te­gisch gewählt, weil sich der Groß­teil der Bevöl­ke­rung selbst der Mit­tel­schicht zuord­net: Rei­che­re rech­nen sich ger­ne arm, Ärme­re ger­ne reich. Über die tat­säch­li­che Ver­tei­lung und Kon­zen­tra­ti­on von Reich­tum wird wenig gewusst, weil Daten dazu rar sind. Aber wo viel gemut­maßt und geglaubt wer­den muss, wird auch viel gelogen.

Das Buch Mythen des Reich­tums stellt sol­chen Behaup­tun­gen Fak­ten ent­ge­gen, wel­che unter ande­rem auf aktu­el­len Daten der Ver­mö­gens­ver­tei­lung in Öster­reich basie­ren. Aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven wird den Stra­te­gien der Recht­fer­ti­gung von Reich­tum und sozia­ler Ungleich­heit nach­ge­gan­gen. Dar­aus wird prä­sen­tiert und dis­ku­tiert, wie sozi­al und öko­no­misch Durch­läs­sig unse­re Gesell­schaft ist, wer mit der Bezeich­nung Mit­tel­schicht gemeint sein könn­te und wel­che Fol­gen kon­zen­trier­ter Reich­tum für die Demo­kra­tie hat.

§  Wie repro­du­ziert sich Reich­tum? (Ste­fan Humer, WU Wien)

§  Wer ist die Mit­tel­schicht, wer sind die ande­ren? (Miri­am Rehm, AK Wien)

§  Was bedeu­tet Ver­mö­gens­kon­zen­tra­ti­on für die Demo­kra­tie? (Mar­tin Schenk, Die Armutskonferenz)

Mode­ra­ti­on: Rosa Lyon, ORF

Ver­an­stal­tet von BEIGEWUM, Attac Öster­reich und der Armutskonferenz

Im Rah­men der Buch­vor­stel­lung wird die dazu gestal­te­te Home­page www.reichtumsmythen.at des Jaho­da-Bau­er Insti­tu­tes vorgestellt.

Vor­be­stel­lun­gen hier

Mehr Infor­ma­tio­nen hier

Zum Ver­lag geht es hier

Präsentation & Diskussion: Zivilgesellschaftliches Zukunftsbudget 2015 – Arbeitslosigkeit bekämpfen!

20. November 2014 – 13:34 Uhr

20. Nov 2014 | 19.00 Uhr | Wie­ner Ura­nia, Mitt­le­rer Saal (Ein­gang Rück­sei­te) Ura­ni­a­stra­ße 1, 1010 Wien


Die Alli­anz „Wege aus der Kri­se“ lädt anläss­lich der Prä­sen­ta­ti­on des Zivil­ge­sell­schaft­li­chen Zukunfts­bud­gets 2015 zur Podi­ums­dis­kus­si­on in die Wie­ner Ura­nia (mitt­le­rer Saal). Das Zukunfts­bud­get 2015 legt im Zei­chen aktu­el­ler Her­aus­for­de­run­gen den Schwer­punkt dar­auf, Arbeits­lo­sig­keit zu bekämp­fen. Es zeigt, wie durch eine sozi­al gerech­te Steu­er­re­form, Arbeits­zeit­ver­kür­zung und Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen Arbeits­plät­ze geschaf­fen und sozia­le Grund­rech­te gesi­chert wer­den können.

Erst­mals beinhal­tet das Zukunfts­bud­get auch eine makro­öko­no­mi­sche Ein­bet­tung, also eine gesamt­wirt­schaft­li­che Pro­gno­se der Ver­än­de­run­gen, die mit dem Zukunfts­bud­get mög­lich wer­den. Die­sen makro­öko­no­mi­schen Blick wird Phil­ipp Poyn­t­ner (Bei­gewum) als Podi­ums­teil­neh­mer mit uns tei­len. Außer­dem dis­ku­tie­ren Vero­ni­ka Kron­ber­ger (Vor­sit­zen­de Platt­form Genera­ti­on Prak­ti­kum, GPA-djp), Jörg Fle­cker (Sozio­lo­ge, Uni­ver­si­tät Wien) und Johan­nes Wahl­mül­ler (Glo­bal 2000).

Wei­te­re Infos gibts hier: http://bit.ly/1Apq6Bb

Um Anmel­dung unter presse@wege-aus-der-krise.at wird gebeten

Feministische Perspektiven auf die Ökonomie und ihre Krisen. Buch- und Kurswechsel-Präsentation Feministische Ökonomie

22. Mai 2014 – 13:50 Uhr

Zeit: Mitt­woch, 11. Juni 2014, 19.00 Uhr
Ort: TC.0.01 (Tea­ching Cen­ter), Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien, Welt­han­dels­platz 1, 1020 Wien

Mit: Bet­ti­na Hai­din­ger, Käthe Knitt­ler, Katha­ri­na Mader und Chris­ta Schlager
Mode­ra­ti­on: Alys­sa Schneebaum

Die herr­schen­de Wirt­schafts­theo­rie und ‑poli­tik sowie wesent­li­che öko­no­mi­sche Kenn­zah­len wer­den als geschlechts­neu­tral prä­sen­tiert. Hin­ter die­sen schein­bar neu­tra­len Zah­len und Kon­zep­ten ver­ste­cken sich jedoch geschlecht­li­che Ungleich­hei­ten, Herr­schafts- und Aus­beu­tungs­struk­tu­ren wer­den ver­deckt. Femi­nis­ti­sche Öko­no­mie deckt die­se blin­den Fle­cken auf, übt Kri­tik an den herr­schen­den Mainstream‑, aber auch hete­ro­do­xen Öko­no­mie­strän­gen und ent­wi­ckelt Gegen­mo­del­le. Gera­de im Zuge der glo­ba­len Finanz- und Wirt­schafts­kri­se wur­de die Main­stream-Öko­no­mie aus unter­schied­lichs­ten Per­spek­ti­ven kri­ti­siert, trotz metho­do­lo­gi­scher und polit­öko­no­mi­scher Schwach­stel­len sowie ideo­lo­gi­scher Ein­sei­tig­keit hat sie ihren Sta­tus als „herr­schen­de“ Leh­re aber wei­ter­hin behaup­ten kön­nen. Wirt­schafts- und Finanz­ex­per­ten­tum hat nicht an Macht und Ein­fluss ver­lo­ren, im Gegen­teil, kaum je zuvor war es medi­al und poli­tisch so prä­sent wie in den letz­ten Jah­ren. Macht- und herr­schafts­kri­ti­sche Zugän­ge wären daher für die Ana­ly­se der gegen­wär­ti­gen mul­ti­plen Kri­se und die Kri­sen­be­wäl­ti­gung zen­tral, kom­men aber viel zu kurz. Der Kurs­wech­sel und das Buch stel­len Wider­stands­stra­te­gien, Alter­na­ti­ven und Uto­pien jen­seits des Main­streams vor.

Eine Ver­an­stal­tung von BEIGEWUM, VrauWL und VW Zentrum

Ein­la­dung Fem Ök Präsentation

Neues BEIGEWUM-Buch: Mythen des Sparens

26. Mai 2013 – 15:38 Uhr

Antizyklische Alternativen zur Schuldenbremse

Die Finanz- und Wirt­schafts­kri­se ist längst zu einer Ver­schul­dungs­kri­se der Staa­ten gewor­den, zumin­dest wenn man den Main­stream-Medi­en und der Mehr­zahl der Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker Glau­ben schenkt: Spa­ren sei das Gebot der Stun­de, an dem kein Aus­weg vor­bei zu füh­ren scheint. Grund genug für ein neu­er­li­ches Buch­pro­jekt als „Fort­set­zung“ unse­res 2010 erschie­nen Buchs „Mythen der Kri­se“.

Mit unse­rem neu­es­ten Buch wol­len wir auf­zei­gen, dass es sich hier­bei nur um einen wei­te­ren wirt­schafts­po­li­ti­schen Mythos han­delt. Doch war­um kom­men die­se Mythen so gut bei den Men­schen an? Und wel­che Aus­wir­kun­gen haben die Spar­maß­nah­men auf die Bevöl­ke­rung, die Wirt­schaft und sogar auf die Demokratie?

Dar­ge­stellt wer­den die wich­tigs­ten Mythen zu »Schul­den« und »Spa­ren«. Die­se wer­den kri­tisch hin­ter­fragt und die dahin­ter­ste­hen­den öko­no­mi­schen Zusam­men­hän­ge erklärt. Auch die Ebe­ne der EU-Poli­tik und der dort kur­sie­ren­den Mythen kommt nicht zu kurz.

Lese­pro­be, wei­ter­füh­ren­de Infos und Bestell­mög­lich­keit gibt es direkt beim VSA-Ver­lag – oder bei einer unse­rer kom­men­den Ver­an­stal­tun­gen.

Neues BEIGEWUM Buch: „Imagine Economy“ ist da!

20. Februar 2012 – 16:28 Uhr

Jetzt ist es da: Das neue Bei­gewum-Buch „ima­gi­ne eco­no­my. Neo­li­be­ra­le Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Diskurs“!


Prä­sen­ta­ti­ons­ver­an­stal­tung:


Vom >Ret­tungs­schirm< zur >Schul­den­brem­se<: Meta­phern in der Wirtschaftspolitik“

Mon­tag, 23.4. 19:30 im Hör­saal M13a (Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te, Schil­ler­platz 3, 1010 Wien, nach dem Ein­gang rechts, im 1.Stock)

Mit Ruth Wod­ak, Ani­ta Roit­ner und Maria Mal­t­sch­nig, Agnieszka Cze­j­kow­s­ka und Beat Weber


In den Bei­trä­gen die­ses Ban­des wer­den die Bil­der und Asso­zia­tio­nen, die mit neo­li­be­ra­len Meta­phern trans­por­tiert wer­den, expli­zit gemacht und ihre Kon­no­ta­tio­nen und Aus­blen­dun­gen kri­tisch beleuch­tet. In der wirt­schafts­po­li­ti­schen Debat­te wird mit Meta­phern wie »Ret­tungs­schirm«, »Schul­den­brem­se« (als Lese­pro­be hier), »schlan­ker Staat«, »sozia­le Hän­ge­mat­te«, »Leis­tungs­trä­ger« etc. ver­sucht, gewis­se Inter­pre­ta­tio­nen und Wer­tun­gen öko­no­mi­scher Sach­ver­hal­te durch­zu­set­zen, und damit bestimm­te Maß­nah­men zu legi­ti­mie­ren und ande­re zu dis­kre­di­tie­ren. Die­ses Buch bie­tet ein klei­nes Glos­sar der wich­tigs­ten Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Dis­kurs. Es sind zumeist sol­che, die ein neo­li­be­ra­les Welt­bild und eine eben­sol­che Agen­da trans­por­tie­ren. Das AutorIn­nen­kol­lek­tiv lie­fert aber auch Bei­spie­le für Meta­phern und Bil­der, die Wunsch­vor­stel­lun­gen von einer eman­zi­pa­ti­ven Ver­än­de­rung eine Form geben. Den Welt­erfin­dungs-Pro­jek­tio­nen der Neo­li­be­ra­len und der Unter­neh­men wer­den so alter­na­ti­ve Bild­pro­duk­tio­nen ent­ge­gen­ge­setzt. Ima­gi­ne Eco­no­my… differently!


Mit einem Vor­wort von Ruth Wod­ak, Text­bei­trä­gen von Hans Asen­baum, Kle­mens Him­pe­le, Loui­se Hor­vath, Alban Knecht, Bern­hard Leu­bolt, Susan­ne May­er, Katha­ri­na Mei­che­nitsch, Katha­ri­na Muhr, Michae­la Neu­mayr, Wal­ter Ötsch, Oli­ver Praus­mül­ler, Armin Pul­ler, Phil­ipp Poyn­t­ner, Dani­el Sie­grist, Ani­ta Roit­ner, Eli­sa­beth Spring­ler und Beat Weber, sowie Bild­bei­trä­gen von Lin­da Bil­da, elffriede.interdisziplinäre.aufzeichnensysteme, Laas und Eva Vasari.


BEIGEWUM (Hg.): ima­gi­ne eco­no­my. Neo­li­be­ra­le Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Dis­kurs (Arts & Cul­tu­re & Edu­ca­ti­on Band 7. Hg. von Agnieszka Cze­j­kow­s­ka im Löcker Ver­lag. Bro­schur, ca. 180 Sei­ten, zahl­rei­che Farb­abb., € 14,80, ISBN 978–3‑85409–614‑6)


Budgetkonsolidierung: Eine Bestandsaufnahme

9. Dezember 2010 – 11:29 Uhr

Ange­sichts der nun ein­ge­schla­ge­nen, kon­kre­ti­sier­ten Wege der Bud­get­kon­so­li­die­rung ver­här­ten sich die Anzei­chen für einen „Neo­li­be­ra­lis­mus rel­oa­ded“ in Euro­pa. Dies äußert sich gera­de auch in der Kon­ti­nui­tät einer Poli­tik, die sozia­le Ungleich­hei­ten ver­schärft und wohl­fahrts­staat­li­che Hand­lungs­spiel­räu­me sys­te­ma­tisch ein­schränkt. Es zeigt sich immer kla­rer, dass sich das Spar-Man­tra von OECD, EZB, EU-Kom­mis­si­on sowie Wirt­schafts­lob­bys und ihren Par­tei­en weit­ge­hend durch­ge­setzt hat, wenn auch nicht in dem zu befürch­ten­den Aus­maß. Dafür wird der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­pakt deut­lich ver­schärft, sodass noch lan­ge nach der Kri­se die Euro­päi­sche Aus­teri­täts­po­li­tik spür­bar sein wird. Auch die ver­schärf­te Durch­set­zung der bereits vor der Kri­se ins Sto­cken gera­te­nen neo­li­be­ra­len Reform­po­li­tik kommt in Gang, wie die Arbeits­markt­fle­xi­bi­li­sie­rung in Spa­ni­en, die Ren­ten­re­for­men, die schwer­punkt­mä­ßi­gen Kür­zun­gen im öffent­li­chen Sek­tor und der weit­ge­hend auf­recht erhal­te­ne Zustand dere­gu­lier­ter Finanz­märk­te zei­gen. Selbst sozi­al­li­be­ra­le Nuan­cen wie das Fle­xi­cu­ri­ty-Modell in Däne­mark gera­ten unter Druck. Ein­nah­men­sei­tig wer­den tat­säch­lich in ers­ter Linie Mas­sen­steu­ern erhöht, mit denen nun vor allem ärme­ren Haus­hal­ten Las­ter finan­zi­ell aus­ge­trie­ben wer­den sol­len (Tabak, Alko­hol, Energieverbrauch).


Die kri­ti­schen Stim­men, die vor einer neu­er­li­chen Rezes­si­on oder zumin­dest Sta­gna­ti­on in der Euro­zo­ne war­nen, wer­den wie­der lau­ter und kom­men selbst aus dem IWF. Gera­de für die beson­ders stark getrof­fe­nen Län­der Irland, Spa­ni­en, Por­tu­gal und Grie­chen­land über­wiegt wei­ter­hin die Skep­sis bezüg­lich einer raschen Über­win­dung der Kri­se. Die Arbeits­lo­sig­keit ver­harrt auf hohem Niveau mit unver­meid­li­chen nega­ti­ven Fol­gen nicht nur für die Betroffenen.


AT: Ein Kompromiss zu Gunsten der wenigen, die die Krisenkosten hätten tragen können und sollen

Die Regie­rung hat sich Ende Okto­ber auf ihre kon­kre­ten Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men geei­nigt. Gemes­sen an ihren eige­nen Ankün­di­gun­gen im Früh­jahr die­ses Jah­res (mehr dazu hier) ist der nun getrof­fe­ne Kom­pro­miss ins­ge­samt weit glimpf­li­cher aus­ge­fal­len, als damals zu befürch­ten war. Die bis zu 4,2 Mrd Euro an Ein­spa­run­gen und Steu­er­erhö­hun­gen wur­den fast hal­biert, nicht zuletzt durch Offen­siv­maß­nah­men, dh zusätz­li­che Mit­telim Umfang von 400 Mio Euro für den Aus­bau der Ganz­ta­ges­schul­plät­ze, Uni­ver­si­tä­ten, For­schung und ther­mi­sche Gebäu­de­sa­nie­rung. Mit der Ban­ken­ab­ga­be, der Besteue­rung von Wert­pa­pier­zu­wäch­sen, Ein­schrän­kun­gen von Stif­tungs- und Unter­neh­mens­steu­er­vor­tei­len und einer ver­schärf­ten Betrugs­be­kämp­fung wur­den erst­mals seit lan­gem der Abwärts­trend bei ver­mö­gens- und kapi­tal­ertrags­be­zo­ge­nen Steu­ern umge­kehrt. Ledig­lich im Fami­li­en­be­reich fie­len die Kür­zun­gen här­ter aus und tref­fen ein­zel­ne Grup­pen – ins­be­son­de­re Stu­die­ren­de – über­ra­schend stark.


Der sprin­gen­de Punkt ist aller­dings, dass ein glimpf­li­ches noch kein gutes Ergeb­nis ist. Man kann nicht oft genug wie­der­ho­len, dass das Bud­get­de­fi­zit die Fol­ge der stärks­ten Kri­se des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems seit 80 Jah­ren ist. Das aktu­el­le Kon­so­li­die­rungs­pa­ket ist dar­auf eine mehr als unbe­frie­di­gen­de Reak­ti­on. Wenn Finanz­wirt­schaft und Rei­che über Jah­re stän­dig stei­gen­de Ein­kom­men und Ver­mö­gen durch ein – letzt­lich von der All­ge­mein­heit zu sanie­ren­des – kri­sen­an­fäl­li­ges Wachs­tums­mo­dell bei sin­ken­den Abga­ben­an­tei­len ver­zeich­nen konn­ten, ist ein klei­ner Bei­trag zur Fol­gen­be­wäl­ti­gung der Kri­se nun deut­lich zu wenig. Vor allem, wenn sie – etwa im Gegen­satz zu den nun beson­ders belas­te­ten Stu­die­ren­den – gera­de durch die staat­li­chen Kri­sen­maß­nah­men bereits wie­der kräf­ti­ge Ver­mö­gens­zu­wäch­se ver­zeich­nen konn­ten: Gemäß Arbei­ter­kam­mer erreich­te das pri­va­te Net­to­geld­ver­mö­gen 2009 bereits wie­der neue Rekord­wer­te. Allein der Wert der Akti­en der Ers­te Bank stieg in den ers­ten sechs Mona­ten nach der staat­li­chen Stüt­zungs­ak­ti­on um 7 Mrd Euro – fast zur Gän­ze steuerfrei.


Es ist kein Trost, dass die­ser sehr klei­ne Schritt hin zu stär­ke­ren Besteue­rung Ver­mö­gen­der dem euro­päi­schen Mus­ter von Bud­get­kon­so­li­die­run­gen folgt: sym­bo­li­sche Bei­trä­ge jener, die es sich leis­ten könn­ten, und har­te Ein­schnit­te – zT jen­seits der Schmerz­gren­ze – für ein­zel­ne Grup­pen mit schwä­che­rem Ein­kom­men: Hartz-IV-Emp­fän­ge­rIn­nen in Deutsch­land, arbeits­lo­se oder stu­die­ren­de Jugend­li­che in Öster­reich, öffent­lich Bediens­te­te und Pen­sio­nis­tIn­nen fast über­all. Das Ver­ur­sa­cher­prin­zip wur­de weit­ge­hend eben­so aus­ge­blen­det wie die in der Kri­se noch­mals redu­zier­te Steu­er- und Abga­ben­quo­te. Statt­des­sen wur­de so getan als ob plötz­lich über­bor­den­de Sozi­al­leis­tun­gen maß­geb­lich zu den hohen Defi­zi­ten geführt hät­ten – obwohl das natür­lich nicht der Fall war, wie zumin­dest für Öster­reich nach­ge­rech­net wurde.


Ausgabenseitige Konsolidierung mit wenig Licht und viel Schatten

Der größ­te Feh­ler neben der zu gerin­gen Anhe­bung der ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Steu­ern betrifft die Art und Wei­se, wie die Aus­ga­ben gekürzt wur­den: Statt gezielt bei dis­kus­si­ons­wür­di­gen bzw nicht mehr zeit­ge­mä­ßen Aus­ga­ben ein­zu­spa­ren, mit­tel­fris­ti­ge Struk­tur­re­for­men zumin­dest zu begin­nen und im Zwei­fels­fall auch teu­re Steu­er­vor­tei­le im Pri­vat­pen­si­ons- oder Fami­li­en­be­reich als zu kür­zen­de Kos­ten in Betracht zu zie­hen, hielt man sich weit­ge­hend an die im April im Zuge des Bun­des­fi­nanz­rah­men­ge­setz fest­ge­leg­te „Rasen­mä­her­me­tho­de“. Hier­bei wur­de ein­fach in allen Berei­chen der­sel­be Pro­zent­satz abge­schnit­ten – ledig­lich sen­si­ble Berei­che wie Bil­dung und Arbeits­markt wur­den mit „höhe­ren Schnitt­stu­fen“ etwas geschont. Damit war bereits im April besie­gelt, dass es etwa bei der Fami­li­en­för­de­rung zu emp­find­li­chen Ein­schnit­ten kom­men wird. Aus­ga­ben­kür­zun­gen oder –umschich­tun­gen der Bun­des­län­der waren zudem nur rhe­to­risch ein Thema.


Wenn man sich die kon­kre­ten Maß­nah­men ansieht, so fällt zunächst das eigent­lich offen­sicht­li­che auf: mil­li­ar­den­schwe­re Aus­ga­ben­kür­zun­gen sind kurz­fris­tig nur durch unbe­lieb­te Leis­tungs­kür­zun­gen mög­lich. Auf den zwei­ten Blick ist eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung ange­bracht. Wäh­rend es in den Bud­ge­tun­ter­glie­de­run­gen wie bei­spiels­wei­se Pen­sio­nen und Gesund­heit rela­tiv gut gelun­gen ist, die nega­ti­ven Effek­te zu beschrän­ken, sticht der Fami­li­en­be­reich nega­tiv her­vor. Statt wenig effek­ti­ve und eher Bes­ser­ver­die­ne­rIn­nen zu Gute kom­men­de teu­re Steu­er­vor­tei­le wie ins­be­son­de­re den Kin­der­frei­be­trag abzu­schaf­fen, wer­den Stu­die­ren­de und arbeits­lo­se Jugend­li­che bzw. deren Eltern beson­ders hart getrof­fen. Wegen rela­tiv gerin­gen Sum­men wur­de zunächst eine Ein­schrän­kung des frei­en Zugangs zum Jus­tiz­sys­tem ris­kiert, ehe noch vor der Bud­get­re­de ein Abschlei­fen erfolg­te. Im Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­be­reich gibt es zwar jeweils 80 Mio Euro zusätz­lich im Jahr, doch gleich­zei­tig wer­den sinn­vol­le Aus­ga­ben – etwa für das Nach­ho­len von Bil­dungs­ab­schlüs­sen, anwen­dungs­ori­en­tier­te­re außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen oder Bau- und För­der­maß­nah­men für Men­schen mit Behin­de­rung – gekürzt oder ver­scho­ben. Im Bereich der Ent­wick­lungs­fi­nan­zie­rung, wo Öster­reich bereits bis­her am unters­ten Ende inner­halb der EU zu fin­den und weit ent­fernt von den eige­nen Zie­len bzw. jenen in inter­na­tio­na­len Abkom­men war, wer­den die Aus­ga­ben noch­mals deut­lich redu­ziert. All das hät­te nicht nur sym­bo­lisch abge­schlif­fen, son­dern tat­säch­lich geän­dert wer­den müssen.


In vie­ler­lei Hin­sicht ist das Sze­na­rio eines „Abbaus der Kri­sen­schul­den auf Kos­ten von Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen“ ein­ge­tre­ten. Dafür ist ins­be­son­de­re ver­ant­wort­lich, dass die Abga­ben­quo­te von Ver­mö­gen im inter­na­tio­na­len Ver­gleich wei­ter­hin rekord­ver­däch­tig nied­rig bleibt. Statt über­wie­gend auf höhe­re ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Steu­ern zum Abbau der Kri­sen­schul­den zu set­zen, wur­de ent­ge­gen der Pröll’schen Rhe­to­rik auf die „Zukunft unse­rer Kin­der“ gera­de nicht geach­tet. Gro­ße Bil­dungs­re­for­men feh­len, ihren Eltern wur­den Bei­hil­fen gekürzt und auch zu Las­ten not­wen­di­ger Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen wur­de gespart: zu wenig für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bil­dung, kei­ne nach­hal­ti­ge Lösung der Pfle­ge­pro­ble­ma­tik, kei­ne neu­en Mit­tel für die Kin­der­be­treu­ung oder Inte­gra­ti­ons­för­de­rung und nur zag­haf­te Schrit­te Rich­tung Ener­gie­wen­de. So blieb von der „Her­zens­an­ge­le­gen­heit“ des Finanz­mi­nis­ters weit­ge­hend nicht mehr als Frust in der Bevöl­ke­rung übrig, die sich mehr als den kleins­ten gemein­sa­men groß­ko­ali­tio­nä­ren Nen­ner erwar­tet hätte.

BEIGEWUM-Stellungnahme zur Budgetkonsolidierung

24. August 2010 – 15:42 Uhr

Alter­na­ti­ven zur neo­li­be­ra­len Budgetkonsolidierung 

Die Aus­wir­kun­gen der stärks­ten Kri­se des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems seit 80 Jah­ren konn­ten mit mas­si­ver Staats­in­ter­ven­ti­on dies­mal ver­gleichs­wei­se rasch ein­ge­dämmt wer­den. Ban­ken wur­den geret­tet, der Wirt­schafts­ein­bruch begrenzt, die Mas­sen­ein­kom­men sta­bi­li­siert, zumin­dest in Öster­reich der Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit über­schau­bar gehal­ten – aber vor allem wur­den auch die Ver­mö­gens­wer­te gesi­chert. All das gab es nicht zum Null­ta­rif – im Gegen­teil: Allei­ne in der Euro­zo­ne sam­mel­ten sich Kri­sen­schul­den in Höhe von einem Fünf­tel der Wirt­schafts­leis­tung an, rund 1,5 Bil­lio­nen Euro (AT: rund 10 % des BIP bzw. knapp 30 Mrd Euro).

Vor die­sem Hin­ter­grund meh­ren sich die Ver­su­che, das Ver­ur­sa­cher­prin­zip aus den gegen­wär­ti­gen bud­get­po­li­ti­schen Debat­ten aus­zu­blen­den. Umso mehr bedarf es der Klar­stel­lung, dass die höhe­re Staats­ver­schul­dung tat­säch­lich auf­grund der Kri­se – und nicht auf­grund plötz­lich über­bor­den­der Sozi­al­leis­tun­gen – so rasch steigt: Die Kri­sen­schuld drückt sich eben nicht nur in Ban­ken- und Kon­junk­tur­pa­ke­ten, son­dern eben auch in höhe­ren Sozi­al­aus­ga­ben für Arbeits­lo­sig­keit, sin­ken­des Abga­ben­auf­kom­men und stei­gen­de Abgangs­de­ckun­gen der Bei­trags­aus­fäl­le in den Sozi­al­ver­si­che­rungs­töp­fen aus. Gleich­zei­tig ist her­vor­zu­strei­chen, dass gera­de im Haupt­kri­sen­jahr 2009 die Ver­mö­gen bzw. die Zahl der Mil­lio­nä­re gemäß diver­sen Wealth Reports 2009 wie­der deut­lich gestie­gen ist – vor allem auf­grund stei­gen­der Bör­sen­kur­se. Die­se hän­gen eng damit zusam­men, dass Unter­neh­men bei Per­so­nal sowie Inves­ti­tio­nen spar­ten, wäh­rend sie zumeist die Divi­den­den­aus­schüt­tungs­quo­ten stei­ger­ten und Mana­ge­rIn­nen­be­zü­ge üppig beließen.

Kri­se als Chan­ce neo­li­be­ra­ler Reformpolitik?

Folgt man der Logik von OECD, EZB, EU-Kom­mis­si­on sowie Wirt­schafts­lob­bys und ihren Par­tei­en, müs­sen die Kri­sen­schul­den nun mög­lichst radi­kal abge­baut wer­den. Am bes­ten durch eine ver­schärf­te Durch­set­zung der bereits vor der Kri­se ins Sto­cken gera­te­nen neo­li­be­ra­len Reform­po­li­tik (kaum wei­te­re Libe­ra­li­sie­rung von Dienst­leis­tun­gen, öffent­li­cher Daseins­vor­sor­ge oder Arbeits­be­zie­hun­gen). Am Pro­gramm ste­hen ins­be­son­de­re Kür­zun­gen der Staats­haus­hal­te mit dem Ziel einer erneu­er­ten Inten­si­tät der wett­be­werbs­staat­li­chen Restruk­tu­rie­rung, Abbau der sozia­len Sicher­heit und erhöh­ter Druck auf Beschäf­tig­te län­ger und zu schlech­te­ren Bedin­gun­gen zu arbei­ten. Wo das nicht aus­reicht, sol­len Mas­sen­steu­ern die Kas­sen fül­len und vor allem ärme­ren Haus­hal­ten so man­che Las­ter finan­zi­ell aus­ge­trie­ben wer­den (Tabak, Alko­hol, Energieverbrauch).

Dis­kur­siv wer­den die Kri­sen­schul­den zuneh­mend in ein „Leben über den Ver­hält­nis­sen“ der gesam­ten Bevöl­ke­rung bzw des Staats­ap­pa­ra­tes umge­deu­tet, wel­ches nun nicht mehr leist­bar sei. So wird die Ver­tei­lungs­fra­ge bewusst aus­ge­blen­det, die sich sowohl vor, in und nach der Kri­se stellt. Folg­lich wer­den höhe­re Steu­ern für beson­ders wohl­ha­ben­de Schich­ten bes­ten­falls in Fuß­no­ten in Betracht gezo­gen. Im Mit­tel­punkt steht aber nur eines, näm­lich Spa­ren – bevor­zugt bei mög­lichst wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung: Pen­sio­nis­tIn­nen, Arbeits­lo­sen, Schü­le­rIn­nen, öffent­lich Bediens­te­ten, sozi­al Schwä­che­ren, usw. Ganz im Sin­ne des Thatcher’schen Leit­spruchs heißt es wie­der „The­re is no alter­na­ti­ve“. Dass dies unver­meid­li­che nega­ti­ve Fol­gen nicht nur für die Betrof­fe­nen, son­dern auch gesamt­ge­sell­schaft­lich in Form von höhe­rer Arbeits­lo­sig­keit und nied­ri­ge­rem Wohl­stand für alle hat, wird zwar immer wie­der wis­sen­schaft­lich bestä­tigt, aber poli­tisch igno­riert oder mit der zwei­fel­haf­ten Pro­gno­se von posi­ti­ven Effek­ten in 30 Jah­ren ver­schlei­ert. Eben­so, dass es genau des­halb eine brei­te gesell­schaft­li­che Debat­te und mehr Mit­be­stim­mung statt Sach­zwang- und Blut-Schweiß-Trä­nen-Logik bedürfte.

Die­ses war bereits das domi­nie­ren­de Mus­ter der Kri­sen­po­li­ti­ken der 1980er und 1990er. Die Welt­wirt­schafts­kri­se der 1930er Jah­re wur­de hin­ge­gen – spä­tes­tens nach der Über­win­dung der sie beglei­ten­den Faschis­men – noch zu einem fun­da­men­ta­len Wech­sel in der Wirt­schafts­po­li­tik genutzt, der in den Indus­trie­staa­ten zumin­dest bis Ende der 60er noch nie dage­we­se­ne Wohl­stands­zu­wäch­se brachte.

Alter­na­ti­ven zu Spa­ren UND Schul­den gefragt

Bud­get­de­fi­zi­te sind in spe­zi­fi­schen Situa­tio­nen – wie ins­be­son­de­re der aktu­el­len – zwecks Sta­bi­li­sie­rung der Wirt­schaft im Sin­ne einer keyne­sia­ni­schen Wirt­schafts­po­li­tik, teu­ren Groß­pro­jek­te oder zwecks Inves­ti­tio­nen mit einem über den Zins­kos­ten lie­gen­dem Ertrags­wert zwei­fels­oh­ne sinn­voll. Lang­fris­tig soll­te eine wach­sen­de Staats­ver­schul­dungs­quo­te aber ver­mie­den wer­den: Ers­tens wür­de sie zu einem wach­sen­den Anteil der Zins­kos­ten an den Gesamt­aus­ga­ben füh­ren, sprich es bleibt ein gerin­ge­rer Teil für ande­re Aus­ga­ben. Zwei­tens steigt die poten­zi­el­le Abhän­gig­keit von den Kapi­tal­ge­be­rIn­nen (auch wenn die­se nur in den sel­tens­ten Fäl­len so kon­kret mani­fest wird wie zuletzt etwa in Grie­chen­land). Drit­tens ver­tei­len sie zu Wohl­ha­ben­den um, denn Staats­schul­den sind immer auch – im All­ge­mei­nen sehr ungleich ver­teil­te – Finanz­ver­mö­gen ande­rer: ins­be­son­de­re von Ban­ken, wei­ters von Invest­ment­fonds und Ver­si­che­run­gen, eher sel­te­ner direkt von rei­chen Pri­vat­per­so­nen. Es ist eine beson­de­re Iro­nie der Kri­se, wenn nun die staat­lich geret­te­ten Ban­ken – deren Ent­schei­dungs­gre­mi­en zumeist nicht ange­tas­tet wur­den – nun ihre Macht als wich­tigs­te Kapi­tal­ge­be­rin­nen der Staa­ten gegen die­se aus­spie­len und via höhe­re Zin­sen durch Risi­ko­auf­schlä­ge maß­geb­lich dar­an verdienen.

Eine höhe­re Ver­schul­dung ist daher bis zu einem gewis­sen Grad nur ein schlech­tes Sub­sti­tut für höhe­re ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Steu­ern: Im einen Fall muss das Geld plus Zin­sen wie­der zurück­ge­zahlt wer­den, im ande­ren steht es per Gesetz der öffent­li­chen Hand zu. Im einen Fall wird die poli­ti­sche Macht des Finanz­ka­pi­tals gestärkt, im ande­ren die Ent­schei­dungs­macht der Finan­ziers ein­ge­schränkt. So schlug bereits Joseph Schum­pe­ter zu Beginn der 1. Repu­blik vor, die dama­li­gen Kriegs­schul­den mit einer ein­ma­li­gen, gro­ßen Ver­mö­gens­ab­ga­be zu til­gen. In der aktu­el­len Kri­se for­der­te ledig­lich die IG-Metall in Deutsch­land eine Zwangs­an­lei­he für Rei­che, die real­po­li­tisch jedoch noch weni­ger Erfolgs­aus­sicht haben dürf­te als zumin­dest mode­ra­te ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Abgaben.

Her­aus­for­de­run­gen Arbeits­lo­sig­keit und Kri­sen­ver­mei­dung nicht min­der dringlich

Zur Kon­so­li­die­rung der Staats­fi­nan­zen gibt es mit­tel­fris­tig folg­lich tat­säch­lich kei­ne Alter­na­ti­ve, sehr wohl aber bezüg­lich „wer“, „wann“ und des „wie“. Wich­tig ist, dass sie nicht los­ge­löst von der Wirt­schafts­kri­se erfolgt. Sie soll des­halb Teil einer aus­ge­wo­ge­nen Wirt­schafts­po­li­tik sein, die neben dem Abbau der Defi­zi­te auch einen Abbau der deut­lich über 20 Mio Arbeits­lo­sen in Euro­pa, höhe­re und glei­cher ver­teil­te Wohl­stands­ge­win­ne, einen öko­lo­gi­schen Umbau der Wirt­schaft usw. zum Ziel hat. Sie muss aber auch auf eine Ver­mei­dung zukünf­ti­ger Kri­sen abzie­len, denn ange­sichts der Dimen­si­on der Kri­sen­schul­den wäre ihre Ver­mei­dung die mit Abstand bes­te Kon­so­li­die­rungs­stra­te­gie gewe­sen. Aus­gangs­punkt müs­sen des­halb auch Lösun­gen der struk­tu­rel­len Kri­sen­ur­sa­chen sein – im Wesent­li­chen die in Deutsch­land vom Insti­tut für Makro­öko­no­mie und Kon­junk­tur­for­schung gepräg­ten „3 U“: Ungleich­heit, Ungleich­ge­wich­te im Außen­han­del und Unver­nunft auf den Finanzmärkten.

Die aktu­el­len Kon­so­li­die­rungs­pro­zes­se auf euro­päi­scher wie natio­na­ler Ebe­ne sind Ver­su­che eine unso­zia­le Poli­tik der lee­ren Kas­sen durch­zu­set­zen: Fahr­läs­sig pro­du­zier­te Defi­zi­te wer­den genutzt um staat­li­che Leis­tun­gen ein­zu­schrän­ken oder zu pri­va­ti­sie­ren. Auch dies­mal wird haupt­säch­lich auf Aus­ga­ben­kür­zun­gen gesetzt wer­den, wäh­rend Ver­mö­gen bzw der Finanz­sek­tor kaum belas­tet wer­den. Die­se Kür­zun­gen dämp­fen jedoch die wirt­schaft­li­che Erho­lung, Beschäf­ti­gung und sozia­len Zusam­men­halt, denn Staats­aus­ga­ben sind ver­ant­wort­lich für einen wesent­li­chen Teil der gesamt­wirt­schaft­li­chen Nach­fra­ge. Gera­de in Län­dern wie Spa­ni­en wäre es fatal, wie ange­kün­digt bereits 2013 die Maas­tricht-Kri­te­ri­en wie­der ein­zu­hal­ten, zumin­dest solan­ge die Wirt­schafts- und Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung nicht kräf­tig anzie­hen. Gefragt ist außer­dem eine dif­fe­ren­zier­te Stra­te­gie: Län­der mit Leis­tungs­bi­lanz­über­schüs­sen und unter­durch­schnitt­li­chen Defi­zi­ten soll­ten eine weni­ger restrik­ti­ve Fis­kal­po­li­tik fah­ren um den Spiel­raum von Spa­ni­en & Co zu erhöhen.

In Öster­reich sieht der Plan der Bun­des­re­gie­rung für 2011 eine Defi­zit­re­duk­ti­on von bis zu 4 Mrd Euro mit aus­ga­ben­sei­ti­gem Schwer­punkt vor – gera­de vor dem Hin­ter­grund einer im euro­päi­schen Ver­gleich guten Aus­gangs­la­ge eine absurd hohe Vor­ga­be (ins­be­son­de­re wenn – wie von der Regie­rung vor­ge­se­hen – im Bil­dungs­be­reich mehr Mil­lio­nen als beim Heer ein­ge­spart wer­den sol­len). Es ist zu befürch­ten, dass Unter­fi­nan­zie­rung im Bil­dungs­be­reich, feh­len­de För­de­rung von Klein­kin­dern, Arbeits­lo­sig­keit und feh­len­de sozia­le Absi­che­rung die Chan­cen zukünf­ti­ger Genera­tio­nen beschrän­ken. Gemäß WIFO-Stu­di­en müss­te ein Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­men von einer Mil­li­ar­de Euro – je nach Maß­nah­me – bis zu 0,7 % des BIP bzw 25.000 Arbeits­plät­ze kos­ten. Das wird wie­der­um dazu füh­ren, dass die Kon­so­li­die­rung selbst gefähr­det ist, weil der Nach­fra­ge­aus­fall zB die Staats­ein­nah­men wei­ter senkt oder die Aus­ga­ben durch Arbeits­lo­sig­keit erhöht. Es wird geschätzt, dass ein um 1 %-Punkt nied­ri­ge­res Wirt­schafts­wachs­tum das Bud­get­de­fi­zit um knapp 0,5 % des BIP ver­schlech­tert. Spa­ren alle Euro­päi­schen Staa­ten gleich­zei­tig, ver­stär­ken sich die nega­ti­ven Effek­te sogar noch wech­sel­sei­tig.

Ver­mö­gen­de und Finanz­sek­tor besteuern

Die Kon­so­li­die­rung muss folg­lich zual­ler­erst auf der Ein­nah­men­sei­te anset­zen und zwar dort, wo sie eine adäqua­te Kri­sen­ant­wort sind und von den Betrof­fe­nen geschul­tert wer­den kön­nen: bei Ver­mö­gen­den. Das wür­de bedeu­ten, Ver­mö­gens­zu­wäch­se, Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen sowie Ver­mö­gen an sich zu belas­ten sowie höhe­re Spit­zen­steu­er­sät­ze auf sehr hohe Ein­kom­men ein­zu­he­ben (zB ab etwa 250.000 Euro/​Jahr). Zusätz­lich müss­ten im Finanz­sek­tor desta­bi­li­sie­ren­de Akti­vi­tä­ten redu­ziert wer­den, auch – aber nicht nur – mit Steu­ern: Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er, Ban­ken­ab­ga­be und höhe­re Besteue­rung von Boni­fi­ka­tio­nen kön­nen hier posi­ti­ve Len­kungs­ef­fek­te brin­gen. Die­se Steu­ern kön­nen zudem als Abgel­tung für die Ret­tung der Ver­mö­gen der Bank­ak­tio­nä­rIn­nen auf Staats­kos­ten gese­hen wer­den, die ohne Inter­ven­ti­on deut­lich ver­rin­gert oder ver­nich­tet wor­den wären.

Sie sind aber auch aus ande­ren Grün­den ande­ren Maß­nah­men wie höhe­ren Aus­ga­ben­kür­zun­gen vor­zu­zie­hen: Sie wir­ken sich posi­tiv auf die Ein­kom­mens­ver­tei­lung aus, sie ste­hen in engem Zusam­men­hang mit der Kri­se, sie fin­den eine rela­tiv brei­te Zustim­mung in der Bevöl­ke­rung und sie haben kaum nega­ti­ve Fol­gen für die gesamt­wirt­schaft­li­che Nach­fra­ge, da Rei­che eher mit Spar- als mit Kon­sum­ver­zicht reagie­ren. Spe­zi­ell in Öster­reich kommt hin­zu, dass die Abga­ben­quo­te von Ver­mö­gen auch im inter­na­tio­na­len Ver­gleich rekord­ver­däch­tig nied­rig ist.

Das Defi­zit-Dilem­ma ist nur lang­fris­tig und mit höhe­ren ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Steu­ern sinn­voll zu lösen, die nicht nur wenig wachs­tums­hem­mend, son­dern vor allem auch sozi­al gerecht sind. Höhe­re Steu­ern sind auch des­halb ange­bracht, weil andern­falls ein Abbau der Kri­sen­schul­den wohl zu Las­ten not­wen­di­ger Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen geht: qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bil­dung, Pfle­ge, Kin­der­be­treu­ung sowie Inte­gra­ti­on und eine Ener­gie­wen­de erfor­dern höhe­re Aus­ga­ben, die es für eine Zukunft ohne neo­li­be­ra­len Back­lash zu finan­zie­ren gilt.

„Mythen der Krise“ – neues BEIGEWUM Buch!

25. Januar 2010 – 17:39 Uhr

Neu­es BEIGEWUM Buch:
„Mythen der Kri­se. Ein­sprü­che gegen fal­sche Leh­ren aus dem gro­ßen Crash“
Her­aus­ge­ge­ben vom Bei­rat für gesellschafts‑, wirt­schafts- und umwelt­po­li­ti­sche Alter­na­ti­ven und von Attac Österreich
VSA Ver­lag, 128 Sei­ten (Febru­ar 2010)
EUR 10.80
ISBN 978–3‑89965–373‑1



Zu Beginn der aktu­el­len Kri­se schien der Neo­li­be­ra­lis­mus, ja der Kapi­ta­lis­mus ins­ge­samt, schwe­ren Legi­ti­ma­ti­ons­scha­den zu neh­men. Doch mitt­ler­wei­le haben sich sei­ne Apo­lo­ge­ten erholt und ver­su­chen mit allen Mit­teln, ihre Leh­ren zu verteidigen.

Mit Mythen wie „Der Staat ist schuld an der Kri­se“ oder „Euro­pa ist nur Opfer“ wird Ursa­chen­ver­leug­nung betrie­ben. Mit Ansa­gen wie „Jetzt droht die Hyper­in­fla­ti­on“, „Wir ver­er­ben nach­fol­gen­den Genera­tio­nen Schul­den ohne Ende“ oder „Jetzt müs­sen alle den Gür­tel enger schnal­len“, wird ver­sucht, eine Abkehr von der herr­schen­den wirt­schafts­po­li­ti­schen Dok­trin zu ver­hin­dern. Mit War­nun­gen wie „Die Ban­ken sind um jeden Preis zu ret­ten“ wird beschleu­nigt in Sack­gas­sen gesteu­ert. Doch auch kri­tisch auf­tre­ten­de Ansät­ze wie die Zins­kri­tik ver­su­chen die Kri­se zu nut­zen, um für ihre Irr­leh­ren zu werben.

Die AutorIn­nen neh­men sich die kur­sie­ren­den Mythen vor und ord­nen sie in die Berei­che Kri­sen­ur­sa­chen, Kri­sen­be­schrei­bung sowie Kri­sen­lö­sun­gen ein. Die auch für Nicht-Öko­nom­In­nen ein­gän­gi­ge Dar­stel­lung und das Auf­grei­fen von hart­nä­ckig wir­ken­den Vor­ur­tei­len machen ihr Buch zu einer will­kom­me­nen Argu­men­ta­ti­ons­hil­fe für all jene, die dem herr­schen­den Kri­sen-Manage­ment kennt­nis­reich ent­ge­gen tre­ten wollen.

Prä­sen­ta­ti­on am Di, 16.3. 2010 um 19h in der Städ­ti­schen Büche­rei Wien am Urban Loritz Platz mit Karin Küb­lböck, Mar­kus Mar­ter­bau­er und Georg Feigl: „Alle Gür­tel enger schnal­len, sonst droht der Staats­bank­rott und ande­re Mythen der Krise“


Wei­te­re Termine:

10. Febru­ar 16h und Frei­tag, 12. Febru­ar 9h05: Inter­view mit Co-Autor Beat Weber in der Ö1-Sen­dung „Kon­text – Sach­bü­cher und Themen“

24. März 2010 um 18h an der WU Wien, Hs. 5.46 © mit Hele­ne Schu­berth, Eli­sa­beth Spring­ler und Beat Weber

19. April 2010 um 19h Buch­prä­sen­ta­ti­on und Dis­kus­si­on mit Katha­ri­na Muhr (BEIGEWUM) im Kul­tur­hof Amstetten

Inhalts­ver­zeich­nis: Inhalts­ver­zeich­nis (PDF)

Text­pro­be: Mythos – Alle müs­sen Gür­tel enger schnal­len (PDF)

Bestell­mög­lich­keit

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Regulierung ist nicht genug.

1. März 2009 – 20:16 Uhr

BEI­GEWUM-Text in Mal­moe #45

Für eine Demo­kra­ti­sie­rung der Debat­te über Ant­wor­ten auf die Krise

So man­che kri­ti­sche Grup­pe sieht sich in der Dis­kus­si­on um die aktu­el­le Finanz­kri­se in der Zwick­müh­le. Dass der Kapi­ta­lis­mus insta­bil ist und sei­ne fort­schrei­ten­de schwach regu­lier­te Finan­zia­li­sie­rung (also der ver­grö­ßer­te Stel­len­wert von Finanz­märk­ten für immer mehr Wirt­schafts- und Lebens­be­reich) die­se Insta­bi­li­täts­ten­denz ver­stärkt, behaup­ten sie schon seit Jahr und Tag. Nun ist die­se Dia­gno­se (wie­der ein­mal) durch eine Kri­se schlag­ar­tig ins all­ge­mei­ne Bewusst­sein getre­ten, und das Lob der Märk­te, das ges­tern noch all­ge­gen­wär­tig durch die Medi­en schall­te, ist heu­te Hohn und Spott ausgesetzt.

Doch es ist ver­däch­tig: Jene mäch­ti­gen Akteu­re, die den Kar­ren an die Wand gefah­ren haben, machen sich vor­mals mar­gi­na­le kri­ti­sche Dia­gno­sen und Vor­schlä­ge zu eigen, als wäre nichts gewe­sen, und behal­ten ihre Posten…

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BEIGEWUM-Forderungen zur Finanzkrise

27. Oktober 2008 – 19:49 Uhr

27.10.2008

1. Umverteilung

Die aktu­el­le Kri­se ist nicht nur ein Ver­sa­gen des Finanz­sek­tors, son­dern auch Ergeb­nis der zuneh­men­den Ver­tei­lungs­schief­la­ge der letz­ten Jah­re… wei­ter­le­sen »

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