Kategorie: Publikationen


Neues BEIGEWUM Buch: „Imagine Economy“ ist da!

20. Februar 2012 – 16:28 Uhr

Jetzt ist es da: Das neue Beigewum-​​Buch „ima­gine eco­nomy. Neo­li­be­rale Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Diskurs“!


Prä­sen­ta­ti­ons­ver­an­stal­tung:


„Vom >Ret­tungs­schirm< zur >Schul­den­bremse<: Meta­phern in der Wirtschaftspolitik“

Mon­tag, 23.4. 19:30 im Hör­saal M13a (Aka­de­mie der bil­den­den Künste, Schil­ler­platz 3, 1010 Wien, nach dem Ein­gang rechts, im 1.Stock)

Mit Ruth Wodak, Anita Roit­ner und Maria Malt­sch­nig, Agnies­zka Cze­j­kow­ska und Beat Weber


In den Bei­trä­gen die­ses Ban­des wer­den die Bil­der und Asso­zia­tio­nen, die mit neo­li­be­ra­len Meta­phern trans­por­tiert wer­den, expli­zit gemacht und ihre Kon­no­ta­tio­nen und Aus­blen­dun­gen kri­tisch beleuch­tet. In der wirt­schafts­po­li­ti­schen Debatte wird mit Meta­phern wie »Ret­tungs­schirm«, »Schul­den­bremse« (als Lese­probe hier), »schlan­ker Staat«, »soziale Hän­ge­matte«, »Leis­tungs­trä­ger« etc. ver­sucht, gewisse Inter­pre­ta­tio­nen und Wer­tun­gen ökono­mi­scher Sach­ver­halte durch­zu­set­zen, und damit bestimmte Maß­nah­men zu legi­ti­mie­ren und andere zu dis­kre­di­tie­ren. Die­ses Buch bie­tet ein klei­nes Glos­sar der wich­tigs­ten Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Dis­kurs. Es sind zumeist sol­che, die ein neo­li­be­ra­les Welt­bild und eine eben­sol­che Agenda trans­por­tie­ren. Das Auto­rIn­nen­kol­lek­tiv lie­fert aber auch Bei­spiele für Meta­phern und Bil­der, die Wunsch­vor­stel­lun­gen von einer eman­zi­pa­ti­ven Ver­än­de­rung eine Form geben. Den Welterfindungs-​​Projektionen der Neo­li­be­ra­len und der Unter­neh­men wer­den so alter­na­tive Bild­pro­duk­tio­nen ent­ge­gen­ge­setzt. Ima­gine Eco­nomy… differently!


Mit einem Vor­wort von Ruth Wodak, Text­bei­trä­gen von Hans Asen­baum, Kle­mens Him­pele, Louise Hor­vath, Alban Knecht, Bern­hard Leu­bolt, Susanne Mayer, Katha­rina Mei­che­ni­tsch, Katha­rina Muhr, Michaela Neu­mayr, Wal­ter Ötsch, Oli­ver Praus­mül­ler, Armin Pul­ler, Phil­ipp Poyn­t­ner, Daniel Sieg­rist, Anita Roit­ner, Eli­sa­beth Spring­ler und Beat Weber, sowie Bild­bei­trä­gen von Linda Bilda, elffriede.interdisziplinäre.aufzeichnensysteme, Laas und Eva Vasari.


BEIGEWUM (Hg.): ima­gine eco­nomy. Neo­li­be­rale Meta­phern im wirt­schafts­po­li­ti­schen Dis­kurs (Arts & Cul­ture & Edu­ca­tion Band 7. Hg. von Agnies­zka Cze­j­kow­ska im Löcker Ver­lag. Bro­schur, ca. 180 Sei­ten, zahl­rei­che Farb­abb., € 14,80, ISBN 978–3-85409–614-6)


Budgetkonsolidierung: Eine Bestandsaufnahme

9. Dezember 2010 – 11:29 Uhr

Ange­sichts der nun ein­ge­schla­ge­nen, kon­kre­ti­sier­ten Wege der Bud­get­kon­so­li­die­rung ver­här­ten sich die Anzei­chen für einen „Neo­li­be­ra­lis­mus reloa­ded“ in Europa. Dies äußert sich gerade auch in der Kon­ti­nui­tät einer Poli­tik, die soziale Ungleich­hei­ten ver­schärft und wohl­fahrts­staat­li­che Hand­lungs­spiel­räume sys­te­ma­tisch ein­schränkt. Es zeigt sich immer kla­rer, dass sich das Spar-​​Mantra von OECD, EZB, EU-​​Kommission sowie Wirt­schafts­lob­bys und ihren Par­teien weit­ge­hend durch­ge­setzt hat, wenn auch nicht in dem zu befürch­ten­den Aus­maß. Dafür wird der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­pakt deut­lich ver­schärft, sodass noch lange nach der Krise die Euro­päi­sche Aus­te­ri­täts­po­li­tik spür­bar sein wird. Auch die ver­schärfte Durch­set­zung der bereits vor der Krise ins Sto­cken gera­te­nen neo­li­be­ra­len Reform­po­li­tik kommt in Gang, wie die Arbeits­markt­fle­xi­bi­li­sie­rung in Spa­nien, die Ren­ten­re­for­men, die schwer­punkt­mä­ßi­gen Kür­zun­gen im öffent­li­chen Sek­tor und der weit­ge­hend auf­recht erhal­tene Zustand dere­gu­lier­ter Finanz­märkte zei­gen. Selbst sozi­al­li­be­rale Nuan­cen wie das Flexicurity-​​Modell in Däne­mark gera­ten unter Druck. Ein­nah­men­sei­tig wer­den tat­säch­lich in ers­ter Linie Mas­sen­steu­ern erhöht, mit denen nun vor allem ärme­ren Haus­hal­ten Las­ter finan­zi­ell aus­ge­trie­ben wer­den sol­len (Tabak, Alko­hol, Energieverbrauch).


Die kri­ti­schen Stim­men, die vor einer neu­er­li­chen Rezes­sion oder zumin­dest Sta­gna­tion in der Euro­zone war­nen, wer­den wie­der lau­ter und kom­men selbst aus dem IWF. Gerade für die beson­ders stark getrof­fe­nen Län­der Irland, Spa­nien, Por­tu­gal und Grie­chen­land über­wiegt wei­ter­hin die Skep­sis bezüg­lich einer raschen Über­win­dung der Krise. Die Arbeits­lo­sig­keit ver­harrt auf hohem Niveau mit unver­meid­li­chen nega­ti­ven Fol­gen nicht nur für die Betroffenen.


AT: Ein Kompromiss zu Gunsten der wenigen, die die Krisenkosten hätten tragen können und sollen

Die Regie­rung hat sich Ende Okto­ber auf ihre kon­kre­ten Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men geei­nigt. Gemes­sen an ihren eige­nen Ankün­di­gun­gen im Früh­jahr die­ses Jah­res (mehr dazu hier) ist der nun getrof­fene Kom­pro­miss ins­ge­samt weit glimpf­li­cher aus­ge­fal­len, als damals zu befürch­ten war. Die bis zu 4,2 Mrd Euro an Ein­spa­run­gen und Steu­er­er­hö­hun­gen wur­den fast hal­biert, nicht zuletzt durch Offen­siv­maß­nah­men, dh zusätz­li­che Mit­telim Umfang von 400 Mio Euro für den Aus­bau der Ganz­ta­ges­schul­plätze, Uni­ver­si­tä­ten, For­schung und ther­mi­sche Gebäu­de­sa­nie­rung. Mit der Ban­ken­ab­gabe, der Besteue­rung von Wert­pa­pier­zu­wäch­sen, Ein­schrän­kun­gen von Stif­tungs– und Unter­neh­mens­steu­er­vor­tei­len und einer ver­schärf­ten Betrugs­be­kämp­fung wur­den erst­mals seit lan­gem der Abwärts­trend bei ver­mö­gens– und kapi­tal­er­trags­be­zo­ge­nen Steu­ern umge­kehrt. Ledig­lich im Fami­li­en­be­reich fie­len die Kür­zun­gen här­ter aus und tref­fen ein­zelne Grup­pen – ins­be­son­dere Stu­die­rende – über­ra­schend stark.


Der sprin­gende Punkt ist aller­dings, dass ein glimpf­li­ches noch kein gutes Ergeb­nis ist. Man kann nicht oft genug wie­der­ho­len, dass das Bud­get­de­fi­zit die Folge der stärks­ten Krise des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems seit 80 Jah­ren ist. Das aktu­elle Kon­so­li­die­rungs­pa­ket ist dar­auf eine mehr als unbe­frie­di­gende Reak­tion. Wenn Finanz­wirt­schaft und Rei­che über Jahre stän­dig stei­gende Ein­kom­men und Ver­mö­gen durch ein – letzt­lich von der All­ge­mein­heit zu sanie­ren­des – kri­sen­an­fäl­li­ges Wachs­tums­mo­dell bei sin­ken­den Abga­ben­an­tei­len ver­zeich­nen konn­ten, ist ein klei­ner Bei­trag zur Fol­gen­be­wäl­ti­gung der Krise nun deut­lich zu wenig. Vor allem, wenn sie – etwa im Gegen­satz zu den nun beson­ders belas­te­ten Stu­die­ren­den – gerade durch die staat­li­chen Kri­sen­maß­nah­men bereits wie­der kräf­tige Ver­mö­gens­zu­wächse ver­zeich­nen konn­ten: Gemäß Arbei­ter­kam­mer erreichte das pri­vate Net­to­geld­ver­mö­gen 2009 bereits wie­der neue Rekord­werte. Allein der Wert der Aktien der Erste Bank stieg in den ers­ten sechs Mona­ten nach der staat­li­chen Stüt­zungs­ak­tion um 7 Mrd Euro – fast zur Gänze steuerfrei.


Es ist kein Trost, dass die­ser sehr kleine Schritt hin zu stär­ke­ren Besteue­rung Ver­mö­gen­der dem euro­päi­schen Mus­ter von Bud­get­kon­so­li­die­run­gen folgt: sym­bo­li­sche Bei­träge jener, die es sich leis­ten könn­ten, und harte Ein­schnitte – zT jen­seits der Schmerz­grenze – für ein­zelne Grup­pen mit schwä­che­rem Ein­kom­men: Hartz-​​IV-​​EmpfängerInnen in Deutsch­land, arbeits­lose oder stu­die­rende Jugend­li­che in Öster­reich, öffent­lich Bediens­tete und Pen­sio­nis­tIn­nen fast über­all. Das Ver­ur­sa­cher­prin­zip wurde weit­ge­hend ebenso aus­ge­blen­det wie die in der Krise noch­mals redu­zierte Steuer– und Abga­ben­quote. Statt­des­sen wurde so getan als ob plötz­lich über­bor­dende Sozi­al­leis­tun­gen maß­geb­lich zu den hohen Defi­zi­ten geführt hät­ten – obwohl das natür­lich nicht der Fall war, wie zumin­dest für Öster­reich nach­ge­rech­net wurde.


Ausgabenseitige Konsolidierung mit wenig Licht und viel Schatten

Der größte Feh­ler neben der zu gerin­gen Anhe­bung der ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Steu­ern betrifft die Art und Weise, wie die Aus­ga­ben gekürzt wur­den: Statt gezielt bei dis­kus­si­ons­wür­di­gen bzw nicht mehr zeit­ge­mä­ßen Aus­ga­ben ein­zu­spa­ren, mit­tel­fris­tige Struk­tur­re­for­men zumin­dest zu begin­nen und im Zwei­fels­fall auch teure Steu­er­vor­teile im Pri­vat­pen­si­ons– oder Fami­li­en­be­reich als zu kür­zende Kos­ten in Betracht zu zie­hen, hielt man sich weit­ge­hend an die im April im Zuge des Bun­des­fi­nanz­rah­men­ge­setz fest­ge­legte „Rasen­mä­her­me­thode“. Hier­bei wurde ein­fach in allen Berei­chen der­selbe Pro­zent­satz abge­schnit­ten – ledig­lich sen­si­ble Berei­che wie Bil­dung und Arbeits­markt wur­den mit „höhe­ren Schnitt­stu­fen“ etwas geschont. Damit war bereits im April besie­gelt, dass es etwa bei der Fami­li­en­för­de­rung zu emp­find­li­chen Ein­schnit­ten kom­men wird. Aus­ga­ben­kür­zun­gen oder –umschich­tun­gen der Bun­des­län­der waren zudem nur rhe­to­risch ein Thema.


Wenn man sich die kon­kre­ten Maß­nah­men ansieht, so fällt zunächst das eigent­lich offen­sicht­li­che auf: mil­li­ar­den­schwere Aus­ga­ben­kür­zun­gen sind kurz­fris­tig nur durch unbe­liebte Leis­tungs­kür­zun­gen mög­lich. Auf den zwei­ten Blick ist eine dif­fe­ren­zierte Betrach­tung ange­bracht. Wäh­rend es in den Bud­ge­tun­ter­glie­de­run­gen wie bei­spiels­weise Pen­sio­nen und Gesund­heit rela­tiv gut gelun­gen ist, die nega­ti­ven Effekte zu beschrän­ken, sticht der Fami­li­en­be­reich nega­tiv her­vor. Statt wenig effek­tive und eher Bes­ser­ver­die­ne­rIn­nen zu Gute kom­mende teure Steu­er­vor­teile wie ins­be­son­dere den Kin­der­frei­be­trag abzu­schaf­fen, wer­den Stu­die­rende und arbeits­lose Jugend­li­che bzw. deren Eltern beson­ders hart getrof­fen. Wegen rela­tiv gerin­gen Sum­men wurde zunächst eine Ein­schrän­kung des freien Zugangs zum Jus­tiz­sys­tem ris­kiert, ehe noch vor der Bud­get­rede ein Abschlei­fen erfolgte. Im Bil­dungs– und Wis­sen­schafts­be­reich gibt es zwar jeweils 80 Mio Euro zusätz­lich im Jahr, doch gleich­zei­tig wer­den sinn­volle Aus­ga­ben – etwa für das Nach­ho­len von Bil­dungs­ab­schlüs­sen, anwen­dungs­ori­en­tier­tere außer­uni­ver­si­täre For­schungs­ein­rich­tun­gen oder Bau– und För­der­maß­nah­men für Men­schen mit Behin­de­rung – gekürzt oder ver­scho­ben. Im Bereich der Ent­wick­lungs­fi­nan­zie­rung, wo Öster­reich bereits bis­her am unters­ten Ende inner­halb der EU zu fin­den und weit ent­fernt von den eige­nen Zie­len bzw. jenen in inter­na­tio­na­len Abkom­men war, wer­den die Aus­ga­ben noch­mals deut­lich redu­ziert. All das hätte nicht nur sym­bo­lisch abge­schlif­fen, son­dern tat­säch­lich geän­dert wer­den müssen.


In vie­ler­lei Hin­sicht ist das Sze­na­rio eines „Abbaus der Kri­sen­schul­den auf Kos­ten von Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen“ ein­ge­tre­ten. Dafür ist ins­be­son­dere ver­ant­wort­lich, dass die Abga­ben­quote von Ver­mö­gen im inter­na­tio­na­len Ver­gleich wei­ter­hin rekord­ver­däch­tig nied­rig bleibt. Statt über­wie­gend auf höhere ver­mö­gens­be­zo­gene Steu­ern zum Abbau der Kri­sen­schul­den zu set­zen, wurde ent­ge­gen der Pröll’schen Rhe­to­rik auf die „Zukunft unse­rer Kin­der“ gerade nicht geach­tet. Große Bil­dungs­re­for­men feh­len, ihren Eltern wur­den Bei­hil­fen gekürzt und auch zu Las­ten not­wen­di­ger Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen wurde gespart: zu wenig für qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Bil­dung, keine nach­hal­tige Lösung der Pfle­ge­pro­ble­ma­tik, keine neuen Mit­tel für die Kin­der­be­treu­ung oder Inte­gra­ti­ons­för­de­rung und nur zag­hafte Schritte Rich­tung Ener­gie­wende. So blieb von der „Her­zens­an­ge­le­gen­heit“ des Finanz­mi­nis­ters weit­ge­hend nicht mehr als Frust in der Bevöl­ke­rung übrig, die sich mehr als den kleins­ten gemein­sa­men groß­ko­ali­tio­nä­ren Nen­ner erwar­tet hätte.

BEIGEWUM-Stellungnahme zur Budgetkonsolidierung

24. August 2010 – 15:42 Uhr

Alter­na­ti­ven zur neo­li­be­ra­len Budgetkonsolidierung 

Die Aus­wir­kun­gen der stärks­ten Krise des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems seit 80 Jah­ren konn­ten mit mas­si­ver Staats­in­ter­ven­tion dies­mal ver­gleichs­weise rasch ein­ge­dämmt wer­den. Ban­ken wur­den geret­tet, der Wirt­schafts­ein­bruch begrenzt, die Mas­sen­ein­kom­men sta­bi­li­siert, zumin­dest in Öster­reich der Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit über­schau­bar gehal­ten – aber vor allem wur­den auch die Ver­mö­gens­werte gesi­chert. All das gab es nicht zum Null­ta­rif – im Gegen­teil: Alleine in der Euro­zone sam­mel­ten sich Kri­sen­schul­den in Höhe von einem Fünf­tel der Wirt­schafts­leis­tung an, rund 1,5 Bil­lio­nen Euro (AT: rund 10 % des BIP bzw. knapp 30 Mrd Euro).

Vor die­sem Hin­ter­grund meh­ren sich die Ver­su­che, das Ver­ur­sa­cher­prin­zip aus den gegen­wär­ti­gen bud­get­po­li­ti­schen Debat­ten aus­zu­blen­den. Umso mehr bedarf es der Klar­stel­lung, dass die höhere Staats­ver­schul­dung tat­säch­lich auf­grund der Krise – und nicht auf­grund plötz­lich über­bor­den­der Sozi­al­leis­tun­gen – so rasch steigt: Die Kri­sen­schuld drückt sich eben nicht nur in Ban­ken– und Kon­junk­tur­pa­ke­ten, son­dern eben auch in höhe­ren Sozi­al­aus­ga­ben für Arbeits­lo­sig­keit, sin­ken­des Abga­ben­auf­kom­men und stei­gende Abgangs­de­ckun­gen der Bei­trags­aus­fälle in den Sozi­al­ver­si­che­rung­s­töp­fen aus. Gleich­zei­tig ist her­vor­zu­strei­chen, dass gerade im Haupt­kri­sen­jahr 2009 die Ver­mö­gen bzw. die Zahl der Mil­lio­näre gemäß diver­sen Wealth Reports 2009 wie­der deut­lich gestie­gen ist – vor allem auf­grund stei­gen­der Bör­sen­kurse. Diese hän­gen eng damit zusam­men, dass Unter­neh­men bei Per­so­nal sowie Inves­ti­tio­nen spar­ten, wäh­rend sie zumeist die Divi­den­den­aus­schüt­tungs­quo­ten stei­ger­ten und Mana­ge­rIn­nen­be­züge üppig beließen.

Krise als Chance neo­li­be­ra­ler Reformpolitik?

Folgt man der Logik von OECD, EZB, EU-​​Kommission sowie Wirt­schafts­lob­bys und ihren Par­teien, müs­sen die Kri­sen­schul­den nun mög­lichst radi­kal abge­baut wer­den. Am bes­ten durch eine ver­schärfte Durch­set­zung der bereits vor der Krise ins Sto­cken gera­te­nen neo­li­be­ra­len Reform­po­li­tik (kaum wei­tere Libe­ra­li­sie­rung von Dienst­leis­tun­gen, öffent­li­cher Daseins­vor­sorge oder Arbeits­be­zie­hun­gen). Am Pro­gramm ste­hen ins­be­son­dere Kür­zun­gen der Staats­haus­halte mit dem Ziel einer erneu­er­ten Inten­si­tät der wett­be­werbs­staat­li­chen Restruk­tu­rie­rung, Abbau der sozia­len Sicher­heit und erhöh­ter Druck auf Beschäf­tigte län­ger und zu schlech­te­ren Bedin­gun­gen zu arbei­ten. Wo das nicht aus­reicht, sol­len Mas­sen­steu­ern die Kas­sen fül­len und vor allem ärme­ren Haus­hal­ten so man­che Las­ter finan­zi­ell aus­ge­trie­ben wer­den (Tabak, Alko­hol, Energieverbrauch).

Dis­kur­siv wer­den die Kri­sen­schul­den zuneh­mend in ein „Leben über den Ver­hält­nis­sen“ der gesam­ten Bevöl­ke­rung bzw des Staats­ap­pa­ra­tes umge­deu­tet, wel­ches nun nicht mehr leist­bar sei. So wird die Ver­tei­lungs­frage bewusst aus­ge­blen­det, die sich sowohl vor, in und nach der Krise stellt. Folg­lich wer­den höhere Steu­ern für beson­ders wohl­ha­bende Schich­ten bes­ten­falls in Fuß­no­ten in Betracht gezo­gen. Im Mit­tel­punkt steht aber nur eines, näm­lich Spa­ren – bevor­zugt bei mög­lichst wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung: Pen­sio­nis­tIn­nen, Arbeits­lo­sen, Schü­le­rIn­nen, öffent­lich Bediens­te­ten, sozial Schwä­che­ren, usw. Ganz im Sinne des Thatcher’schen Leit­spruchs heißt es wie­der „There is no alter­na­tive“. Dass dies unver­meid­li­che nega­tive Fol­gen nicht nur für die Betrof­fe­nen, son­dern auch gesamt­ge­sell­schaft­lich in Form von höhe­rer Arbeits­lo­sig­keit und nied­ri­ge­rem Wohl­stand für alle hat, wird zwar immer wie­der wis­sen­schaft­lich bestä­tigt, aber poli­tisch igno­riert oder mit der zwei­fel­haf­ten Pro­gnose von posi­ti­ven Effek­ten in 30 Jah­ren ver­schlei­ert. Ebenso, dass es genau des­halb eine breite gesell­schaft­li­che Debatte und mehr Mit­be­stim­mung statt Sach­zwang– und Blut-​​Schweiß-​​Tränen-​​Logik bedürfte.

Die­ses war bereits das domi­nie­rende Mus­ter der Kri­sen­po­li­ti­ken der 1980er und 1990er. Die Welt­wirt­schafts­krise der 1930er Jahre wurde hin­ge­gen – spä­tes­tens nach der Über­win­dung der sie beglei­ten­den Faschis­men – noch zu einem fun­da­men­ta­len Wech­sel in der Wirt­schafts­po­li­tik genutzt, der in den Indus­trie­staa­ten zumin­dest bis Ende der 60er noch nie dage­we­sene Wohl­stands­zu­wächse brachte.

Alter­na­ti­ven zu Spa­ren UND Schul­den gefragt

Bud­get­de­fi­zite sind in spe­zi­fi­schen Situa­tio­nen – wie ins­be­son­dere der aktu­el­len – zwecks Sta­bi­li­sie­rung der Wirt­schaft im Sinne einer keyne­sia­ni­schen Wirt­schafts­po­li­tik, teu­ren Groß­pro­jekte oder zwecks Inves­ti­tio­nen mit einem über den Zins­kos­ten lie­gen­dem Ertrags­wert zwei­fels­ohne sinn­voll. Lang­fris­tig sollte eine wach­sende Staats­ver­schul­dungs­quote aber ver­mie­den wer­den: Ers­tens würde sie zu einem wach­sen­den Anteil der Zins­kos­ten an den Gesamt­aus­ga­ben füh­ren, sprich es bleibt ein gerin­ge­rer Teil für andere Aus­ga­ben. Zwei­tens steigt die poten­zi­elle Abhän­gig­keit von den Kapi­tal­ge­be­rIn­nen (auch wenn diese nur in den sel­tens­ten Fäl­len so kon­kret mani­fest wird wie zuletzt etwa in Grie­chen­land). Drit­tens ver­tei­len sie zu Wohl­ha­ben­den um, denn Staats­schul­den sind immer auch – im All­ge­mei­nen sehr ungleich ver­teilte – Finanz­ver­mö­gen ande­rer: ins­be­son­dere von Ban­ken, wei­ters von Invest­ment­fonds und Ver­si­che­run­gen, eher sel­te­ner direkt von rei­chen Pri­vat­per­so­nen. Es ist eine beson­dere Iro­nie der Krise, wenn nun die staat­lich geret­te­ten Ban­ken – deren Ent­schei­dungs­gre­mien zumeist nicht ange­tas­tet wur­den – nun ihre Macht als wich­tigste Kapi­tal­ge­be­rin­nen der Staa­ten gegen diese aus­spie­len und via höhere Zin­sen durch Risi­ko­auf­schläge maß­geb­lich daran verdienen.

Eine höhere Ver­schul­dung ist daher bis zu einem gewis­sen Grad nur ein schlech­tes Sub­sti­tut für höhere ver­mö­gens­be­zo­gene Steu­ern: Im einen Fall muss das Geld plus Zin­sen wie­der zurück­ge­zahlt wer­den, im ande­ren steht es per Gesetz der öffent­li­chen Hand zu. Im einen Fall wird die poli­ti­sche Macht des Finanz­ka­pi­tals gestärkt, im ande­ren die Ent­schei­dungs­macht der Finan­ziers ein­ge­schränkt. So schlug bereits Joseph Schum­pe­ter zu Beginn der 1. Repu­blik vor, die dama­li­gen Kriegs­schul­den mit einer ein­ma­li­gen, gro­ßen Ver­mö­gens­ab­gabe zu til­gen. In der aktu­el­len Krise for­derte ledig­lich die IG-​​Metall in Deutsch­land eine Zwangs­an­leihe für Rei­che, die real­po­li­tisch jedoch noch weni­ger Erfolgs­aus­sicht haben dürfte als zumin­dest mode­rate ver­mö­gens­be­zo­gene Abgaben.

Her­aus­for­de­run­gen Arbeits­lo­sig­keit und Kri­sen­ver­mei­dung nicht min­der dringlich

Zur Kon­so­li­die­rung der Staats­fi­nan­zen gibt es mit­tel­fris­tig folg­lich tat­säch­lich keine Alter­na­tive, sehr wohl aber bezüg­lich „wer“, „wann“ und des „wie“. Wich­tig ist, dass sie nicht los­ge­löst von der Wirt­schafts­krise erfolgt. Sie soll des­halb Teil einer aus­ge­wo­ge­nen Wirt­schafts­po­li­tik sein, die neben dem Abbau der Defi­zite auch einen Abbau der deut­lich über 20 Mio Arbeits­lo­sen in Europa, höhere und glei­cher ver­teilte Wohl­stands­ge­winne, einen ökolo­gi­schen Umbau der Wirt­schaft usw. zum Ziel hat. Sie muss aber auch auf eine Ver­mei­dung zukünf­ti­ger Kri­sen abzie­len, denn ange­sichts der Dimen­sion der Kri­sen­schul­den wäre ihre Ver­mei­dung die mit Abstand beste Kon­so­li­die­rungs­stra­te­gie gewe­sen. Aus­gangs­punkt müs­sen des­halb auch Lösun­gen der struk­tu­rel­len Kri­sen­ur­sa­chen sein – im Wesent­li­chen die in Deutsch­land vom Insti­tut für Makro­öko­no­mie und Kon­junk­tur­for­schung gepräg­ten „3 U“: Ungleich­heit, Ungleich­ge­wichte im Außen­han­del und Unver­nunft auf den Finanzmärkten.

Die aktu­el­len Kon­so­li­die­rungs­pro­zesse auf euro­päi­scher wie natio­na­ler Ebene sind Ver­su­che eine unso­ziale Poli­tik der lee­ren Kas­sen durch­zu­set­zen: Fahr­läs­sig pro­du­zierte Defi­zite wer­den genutzt um staat­li­che Leis­tun­gen ein­zu­schrän­ken oder zu pri­va­ti­sie­ren. Auch dies­mal wird haupt­säch­lich auf Aus­ga­ben­kür­zun­gen gesetzt wer­den, wäh­rend Ver­mö­gen bzw der Finanz­sek­tor kaum belas­tet wer­den. Diese Kür­zun­gen dämp­fen jedoch die wirt­schaft­li­che Erho­lung, Beschäf­ti­gung und sozia­len Zusam­men­halt, denn Staats­aus­ga­ben sind ver­ant­wort­lich für einen wesent­li­chen Teil der gesamt­wirt­schaft­li­chen Nach­frage. Gerade in Län­dern wie Spa­nien wäre es fatal, wie ange­kün­digt bereits 2013 die Maastricht-​​Kriterien wie­der ein­zu­hal­ten, zumin­dest solange die Wirt­schafts– und Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung nicht kräf­tig anzie­hen. Gefragt ist außer­dem eine dif­fe­ren­zierte Stra­te­gie: Län­der mit Leis­tungs­bi­lanz­über­schüs­sen und unter­durch­schnitt­li­chen Defi­zi­ten soll­ten eine weni­ger restrik­tive Fis­kal­po­li­tik fah­ren um den Spiel­raum von Spa­nien & Co zu erhöhen.

In Öster­reich sieht der Plan der Bun­des­re­gie­rung für 2011 eine Defi­zit­re­duk­tion von bis zu 4 Mrd Euro mit aus­ga­ben­sei­ti­gem Schwer­punkt vor – gerade vor dem Hin­ter­grund einer im euro­päi­schen Ver­gleich guten Aus­gangs­lage eine absurd hohe Vor­gabe (ins­be­son­dere wenn – wie von der Regie­rung vor­ge­se­hen – im Bil­dungs­be­reich mehr Mil­lio­nen als beim Heer ein­ge­spart wer­den sol­len). Es ist zu befürch­ten, dass Unter­fi­nan­zie­rung im Bil­dungs­be­reich, feh­lende För­de­rung von Klein­kin­dern, Arbeits­lo­sig­keit und feh­lende soziale Absi­che­rung die Chan­cen zukünf­ti­ger Gene­ra­tio­nen beschrän­ken. Gemäß WIFO-​​Studien müsste ein Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­men von einer Mil­li­arde Euro – je nach Maß­nahme – bis zu 0,7 % des BIP bzw 25.000 Arbeits­plätze kos­ten. Das wird wie­derum dazu füh­ren, dass die Kon­so­li­die­rung selbst gefähr­det ist, weil der Nach­fra­ge­aus­fall zB die Staats­ein­nah­men wei­ter senkt oder die Aus­ga­ben durch Arbeits­lo­sig­keit erhöht. Es wird geschätzt, dass ein um 1 %-Punkt nied­ri­ge­res Wirt­schafts­wachs­tum das Bud­get­de­fi­zit um knapp 0,5 % des BIP ver­schlech­tert. Spa­ren alle Euro­päi­schen Staa­ten gleich­zei­tig, ver­stär­ken sich die nega­ti­ven Effekte sogar noch wech­sel­sei­tig.

Ver­mö­gende und Finanz­sek­tor besteuern

Die Kon­so­li­die­rung muss folg­lich zual­ler­erst auf der Ein­nah­men­seite anset­zen und zwar dort, wo sie eine adäquate Kri­sen­ant­wort sind und von den Betrof­fe­nen geschul­tert wer­den kön­nen: bei Ver­mö­gen­den. Das würde bedeu­ten, Ver­mö­gens­zu­wächse, Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen sowie Ver­mö­gen an sich zu belas­ten sowie höhere Spit­zen­steu­er­sätze auf sehr hohe Ein­kom­men ein­zu­he­ben (zB ab etwa 250.000 Euro/​Jahr). Zusätz­lich müss­ten im Finanz­sek­tor desta­bi­li­sie­rende Akti­vi­tä­ten redu­ziert wer­den, auch – aber nicht nur – mit Steu­ern: Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer, Ban­ken­ab­gabe und höhere Besteue­rung von Boni­fi­ka­tio­nen kön­nen hier posi­tive Len­kungs­ef­fekte brin­gen. Diese Steu­ern kön­nen zudem als Abgel­tung für die Ret­tung der Ver­mö­gen der Bank­ak­tio­nä­rIn­nen auf Staats­kos­ten gese­hen wer­den, die ohne Inter­ven­tion deut­lich ver­rin­gert oder ver­nich­tet wor­den wären.

Sie sind aber auch aus ande­ren Grün­den ande­ren Maß­nah­men wie höhe­ren Aus­ga­ben­kür­zun­gen vor­zu­zie­hen: Sie wir­ken sich posi­tiv auf die Ein­kom­mens­ver­tei­lung aus, sie ste­hen in engem Zusam­men­hang mit der Krise, sie fin­den eine rela­tiv breite Zustim­mung in der Bevöl­ke­rung und sie haben kaum nega­tive Fol­gen für die gesamt­wirt­schaft­li­che Nach­frage, da Rei­che eher mit Spar– als mit Kon­sum­ver­zicht rea­gie­ren. Spe­zi­ell in Öster­reich kommt hinzu, dass die Abga­ben­quote von Ver­mö­gen auch im inter­na­tio­na­len Ver­gleich rekord­ver­däch­tig nied­rig ist.

Das Defizit-​​Dilemma ist nur lang­fris­tig und mit höhe­ren ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Steu­ern sinn­voll zu lösen, die nicht nur wenig wachs­tums­hem­mend, son­dern vor allem auch sozial gerecht sind. Höhere Steu­ern sind auch des­halb ange­bracht, weil andern­falls ein Abbau der Kri­sen­schul­den wohl zu Las­ten not­wen­di­ger Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen geht: qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Bil­dung, Pflege, Kin­der­be­treu­ung sowie Inte­gra­tion und eine Ener­gie­wende erfor­dern höhere Aus­ga­ben, die es für eine Zukunft ohne neo­li­be­ra­len Back­lash zu finan­zie­ren gilt.

„Mythen der Krise“ – neues BEIGEWUM Buch!

25. Januar 2010 – 17:39 Uhr

Neues BEIGEWUM Buch:
„Mythen der Krise. Ein­sprü­che gegen fal­sche Leh­ren aus dem gro­ßen Crash“
Her­aus­ge­ge­ben vom Bei­rat für gesellschafts-​​, wirt­schafts– und umwelt­po­li­ti­sche Alter­na­ti­ven und von Attac Öster­reich
VSA Ver­lag, 128 Sei­ten (Februar 2010)
EUR 10.80
ISBN 978–3-89965–373-1



Zu Beginn der aktu­el­len Krise schien der Neo­li­be­ra­lis­mus, ja der Kapi­ta­lis­mus ins­ge­samt, schwe­ren Legi­ti­ma­ti­ons­scha­den zu neh­men. Doch mitt­ler­weile haben sich seine Apo­lo­ge­ten erholt und ver­su­chen mit allen Mit­teln, ihre Leh­ren zu verteidigen.

Mit Mythen wie „Der Staat ist schuld an der Krise“ oder „Europa ist nur Opfer“ wird Ursa­chen­ver­leug­nung betrie­ben. Mit Ansa­gen wie „Jetzt droht die Hyper­in­fla­tion“, „Wir ver­er­ben nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen Schul­den ohne Ende“ oder „Jetzt müs­sen alle den Gür­tel enger schnal­len“, wird ver­sucht, eine Abkehr von der herr­schen­den wirt­schafts­po­li­ti­schen Dok­trin zu ver­hin­dern. Mit War­nun­gen wie „Die Ban­ken sind um jeden Preis zu ret­ten“ wird beschleu­nigt in Sack­gas­sen gesteu­ert. Doch auch kri­tisch auf­tre­tende Ansätze wie die Zinskri­tik ver­su­chen die Krise zu nut­zen, um für ihre Irr­leh­ren zu werben.

Die Auto­rIn­nen neh­men sich die kur­sie­ren­den Mythen vor und ord­nen sie in die Berei­che Kri­sen­ur­sa­chen, Kri­sen­be­schrei­bung sowie Kri­sen­lö­sun­gen ein. Die auch für Nicht-​​ÖkonomInnen ein­gän­gige Dar­stel­lung und das Auf­grei­fen von hart­nä­ckig wir­ken­den Vor­ur­tei­len machen ihr Buch zu einer will­kom­me­nen Argu­men­ta­ti­ons­hilfe für all jene, die dem herr­schen­den Krisen-​​Management kennt­nis­reich ent­ge­gen tre­ten wollen.

Prä­sen­ta­tion am Di, 16.3. 2010 um 19h in der Städ­ti­schen Büche­rei Wien am Urban Loritz Platz mit Karin Küb­lböck, Mar­kus Mar­ter­bauer und Georg Feigl: „Alle Gür­tel enger schnal­len, sonst droht der Staats­bank­rott und andere Mythen der Krise“


Wei­tere Termine:

10. Februar 16h und Frei­tag, 12. Februar 9h05: Inter­view mit Co-​​Autor Beat Weber in der Ö1-​​Sendung „Kon­text – Sach­bü­cher und Themen“

24. März 2010 um 18h an der WU Wien, Hs. 5.46 © mit Helene Schu­berth, Eli­sa­beth Spring­ler und Beat Weber

19. April 2010 um 19h Buch­prä­sen­ta­tion und Dis­kus­sion mit Katha­rina Muhr (BEIGEWUM) im Kul­tur­hof Amstetten

Inhalts­ver­zeich­nis: Inhalts­ver­zeich­nis (PDF)

Text­probe: Mythos – Alle müs­sen Gür­tel enger schnal­len (PDF)

Bestell­mög­lich­keit

Kommentare deaktiviert | Kategorie: Publikationen, blog

Regulierung ist nicht genug.

1. März 2009 – 20:16 Uhr

BEIGEWUM-​​Text in Mal­moe #45

Für eine Demo­kra­ti­sie­rung der Debatte über Ant­wor­ten auf die Krise

So man­che kri­ti­sche Gruppe sieht sich in der Dis­kus­sion um die aktu­elle Finanz­krise in der Zwick­mühle. Dass der Kapi­ta­lis­mus insta­bil ist und seine fort­schrei­tende schwach regu­lierte Finan­zia­li­sie­rung (also der ver­grö­ßerte Stel­len­wert von Finanz­märk­ten für immer mehr Wirt­schafts– und Lebens­be­reich) diese Insta­bi­li­täts­ten­denz ver­stärkt, behaup­ten sie schon seit Jahr und Tag. Nun ist diese Dia­gnose (wie­der ein­mal) durch eine Krise schlag­ar­tig ins all­ge­meine Bewusst­sein getre­ten, und das Lob der Märkte, das ges­tern noch all­ge­gen­wär­tig durch die Medien schallte, ist heute Hohn und Spott ausgesetzt.

Doch es ist ver­däch­tig: Jene mäch­ti­gen Akteure, die den Kar­ren an die Wand gefah­ren haben, machen sich vor­mals mar­gi­nale kri­ti­sche Dia­gno­sen und Vor­schläge zu eigen, als wäre nichts gewe­sen, und behal­ten ihre Posten…

Kommentare deaktiviert | Kategorie: Publikationen, blog

BEIGEWUM-Forderungen zur Finanzkrise

27. Oktober 2008 – 19:49 Uhr

27.10.2008

1. Umver­tei­lung

Die aktu­elle Krise ist nicht nur ein Ver­sa­gen des Finanz­sek­tors, son­dern auch Ergeb­nis der zuneh­men­den Ver­tei­lungs­schief­lage der letz­ten Jahre… wei­ter­le­sen »

Kommentare deaktiviert | Kategorie: News & Termine, Publikationen, blog

Martin Schürz/Beat Weber: Das Wissen vom Geld – Auf dem Weg zum Finanzbildungsbürgertum

1. Februar 2008 – 0:43 Uhr

Buchcover: Das Wissen vom Geldvon Mar­tin Schürz und Beat Weber
2008 erschie­nen im Ver­lag Nausner&Nausner

In den letz­ten Jah­ren wurde „Finanz­bil­dung für alle“ häu­fig zum Schlüs­sel erklärt für die Meis­te­rung des Lebens in einer Welt der Aktien und Pri­vat­vor­sorge. Was sagt uns das Schei­tern der Finanz­markt­pro­fis im Zuge der aktu­el­len Finanz­markt­krise über die Rolle von Wis­sen, Glück und Leis­tung im Finanzmarktkapitalismus?

Rezen­sio­nen: Fal­ter, Der Stan­dard, Paolo-​​Freire-​​Zentrum, Korso, Stand­punkte, Nach­denk­sei­ten

Rezen­sion als PDF: Rezen­sion „Das Wis­sen vom Geld“ in „Intervention“

Links: Gespräch in der Ö1-​​Sendung „Von Tag zu Tag“ vom 30.5.08, Text­aus­zug in MALMOE

Kommentare deaktiviert | Kategorie: News & Termine, Publikationen

Mythen der Ökonomie – Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen

6. Juni 2005 – 8:18 Uhr

mythen-​​der-​​Oekonomie-​​inhaltBuchcover: Mythen der ÖkonomieBEIGEWUM
Juni 2005, VSA-​​Verlag, 166 S.; 13,80 Euro, ISBN 3–89965-119–7
Bestel­lun­gen bitte direkt über den VSA-​​Verlag: www.vsa-verlag.de

In die­sem Buch fin­det sich eine Samm­lung der wich­tigs­ten ökono­mi­schen Mythen. Sie wer­den kurz vor­ge­stellt und einer Gegen­ar­gu­men­ta­tion unter­zo­gen. Die Auto­rIn­nen lie­fern damit ein kom­pak­tes Nach­schla­ge­werk und ein Argu­men­ta­rium für ökono­mie­kri­ti­sche Debatten.

Die öffent­li­che Dis­kus­sion über Wirt­schaft und Wirt­schafts­po­li­tik ist domi­niert von der Sach­zwang­lo­gik. In der Aus­ein­an­der­set­zung um wirt­schaft­li­che Refor­men spie­len Wün­sche, Inter­es­sen und Ziele brei­ter gesell­schaft­li­cher Grup­pen keine Rolle. Alles dreht sich um die Frage, wel­chem Anpas­sungs­druck durch neu­este Ent­wick­lun­gen (Über­al­te­rung, Glo­ba­li­sie­rung, Arbeits­lo­sig­keit, Kon­junk­tur­flaute, aus­ufernde Steu­er­be­las­tung etc.) wie­der Folge zu leis­ten ist. Der ökono­mi­schen Exper­tise kommt bei der Legi­ti­mie­rung ent­spre­chen­der Reform­maß­nah­men eine wich­tige Rolle zu: Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, Unter­neh­mens­ver­bände und Wirt­schafts­po­li­ti­ker haben die Aura des bes­se­ren Wis­sens und begrün­den mit Exper­ten­wis­sen zu tref­fende Maßnahmen.

Aber: »Wie in den meis­ten ande­ren sozia­len Fra­gen kommt es auch in der Ökono­mie sehr dar­auf an, von wel­chem Stand­punkt aus eine Sache betrach­tet wird. Ökono­mi­sche Argu­mente kön­nen zur Panik­ma­che, Recht­fer­ti­gung von Dis­kri­mi­nie­rung und zur Ver­brei­tung von Ohn­machts­ge­füh­len ein­ge­setzt wer­den, wie es heute all­täg­lich geschieht. Oder dazu, die Gesell­schaft bes­ser zu ver­ste­hen, sich kri­tisch mit ihr aus­ein­an­der zu set­zen und sie zu ver­än­dern. Wir hof­fen mit unse­rem Buch zu jenem Rüst­zeug bei­zu­tra­gen, das einer Demo­kra­tie ange­mes­sen ist: eine breite wirt­schaft­li­che Bil­dung der Bevöl­ke­rung und ihre Teil­nahme an wirt­schafts­po­li­ti­schen Debat­ten und Ent­schei­dun­gen.« (Aus dem Vorwort)

PDF: mythen-​​der-​​oekonomie-​​inhalt1

Kommentare deaktiviert | Kategorie: Publikationen

Was Reichtümer vermögen — Warum reiche Gesellschaften bei Pensionen, Gesundheit und Sozialem sparen.

1. Oktober 2004 – 8:50 Uhr

Buchcover: Was Reichtümer vermögenBEIGEWUM, ATTAC, Armuts­kon­fe­renz (Hg.)
Zweite, über­ar­bei­tete Auflage

340 Sei­ten, Wien 2004, Man­del­baum­ver­lag
Preis: 14,- Euro.
Bestel­lun­gen: Man­del­baum Verlag

Warum Reich­tum? Es lohnt sich, im Trom­mel­feuer der vor­ge­tra­ge­nen Ver­knap­pung von Mit­teln, der per­ma­nen­ten Spar­lo­gik und Opfer­rhe­to­rik die Fülle in den Blick zu bekom­men. Es lohnt sich, die ökono­mi­schen Sach­ver­halte zu über­prü­fen, die uns als unum­stöß­li­che Wahr­hei­ten prä­sen­tiert wer­den. Es lohnt sich, die Pro­duk­ti­ons­stät­ten neu­al­ter Ideo­lo­gien aus­zu­he­ben, die Glück und Frei­heit ver­spre­chen und soziale Pola­ri­sie­rung bringen.

Wieso haben BEIGEWUM, Armuts­kon­fe­renz und ATTAC in Spar­zei­ten, in einer Zeit der Null­de­fi­zit­po­li­tik ein Buch zum Thema Reich­tum her­aus­ge­ge­ben? Wieso reden wir von Reich­tü­mern wo viele ande­ren das Spa­ren zur Polit-​​Tugend gemacht haben? Die viel­schich­ti­gen Gründe dafür sind im Buch nach­zu­le­sen, einige wenige Aspekte sind hier the­sen­ar­tig dargestellt.

These 1: Die euro­päi­sche und öster­rei­chi­sche Poli­tik der Spar­pro­gramme (Null­de­fi­zit, Steu­er­sen­kun­gen, Kapi­tal­markt­of­fen­si­ven etc.) ist eine „moder­ni­sierte“ Form des Verteilungskampfes.

Unsere hoch arbeits­tei­lige euro­päi­sche Gesell­schaft befin­det sich ten­den­zi­ell auf einem Wachs­tums­pfad. Allein in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren ist in der EU das reale BIP je Ein­woh­ne­rIn um knapp 18% – in Öster­reich sogar etwas stär­ker – gewach­sen. Dane­ben beträgt das Geld­ver­mö­gen der pri­va­ten Haus­halte in der Euro­zone über 13.000 Mrd. Euro und ist damit dop­pelt so hoch als das BIP der Eurozone .

Auf der ande­ren Seite lag die Ein­kom­mens­ar­muts­quote in der Euro­päi­schen Union bei 17%, wovon 42% der von Armut betrof­fe­nen in dau­ern­der Armut leben. In den Län­dern mit beson­ders hohen Geld­ver­mö­gen wie bei­spiels­weise Bel­gien (314% des BIP) sind die Armuts­quo­ten nicht klei­ner. Diese Kluft zeigt deut­lich, dass wir in Europa enorme Ver­tei­lungs­pro­bleme haben.

wei­ter­le­sen »

Kommentare deaktiviert | Kategorie: Publikationen

Gender Budgeting – Handbuch zur Umsetzung geschlechtergerechter Budgetgestaltung

6. Januar 2004 – 8:53 Uhr

Bro­schüre, 83 Sei­ten, Wien 2004

Bud­gets wer­den oft als Ereig­nis von Sach­zwän­gen dar­ge­stellt, unab­än­der­lich und unab­hän­gig von Inter­es­sen. Tat­säch­lich ist die Gestal­tung von Bud­gets aber ein wich­ti­ges Instru­ment der Poli­tik und Aus­druck gesell­schafts– und damit auch gleich­stel­lungs­po­li­ti­scher Machtverhältnisse.“

Leit­fa­den zur prak­ti­schen Anwen­dung der Leit­li­nien aus „Frauen macht Bud­gets“, dem BEIGEWUM-​​Buch über Gen­der Budgeting.

Bestel­lun­gen an: luise.gubitzer@wu-wien.ac.at
Down­load: Hand­buch Gen­der Budgeting

Kommentare deaktiviert | Kategorie: Publikationen

zum Anfang der Seite