„Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt“

Klemens Himpele am 27. April 2009 um 21:49h

Der deut­sche Bun­des­prä­si­dent Horst Köh­ler hat einige Kri­tik geern­tet, als er mit Blick auf die aktu­elle Krise von sich gab: „Wir haben alle über unsere Ver­hält­nisse gelebt.“ Dass der stei­gende Wohl­stand eben nicht „allen“ zu Gute kam, sollte dabei auch Herr Köh­ler wis­sen: Die Real­löhne in Deutsch­land sind gesun­ken (!), die Steu­ern für Gewinne und hohe Ein­kom­men auch. Aber der Arbei­ter mit sin­ken­dem Lohn trotz Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum hat über seine Ver­hält­nisse gelebt. Köh­ler strickt bereits an der Legende, dass eben nicht bspw. Dere­gu­lie­rung und eine unglei­che Ein­kom­mens­ver­tei­lung, mit­hin ein spe­zi­fi­sches (neo­li­be­ra­les) Akku­mu­la­ti­ons­re­gime Schuld an der Krise sind, son­dern der Nor­mal­bür­ger, der sei­nen Anteil am Wohl­stand einfordert.


Die­sen Sub­text gibt es auch in Öster­reich. Hans Rau­scher etwa kommt im Stan­dard von der Finanz­krise über die Hack­ler­re­ge­lung zu fol­gen­der Aus­sage: „Und die gut Orga­ni­sier­ten, die es sich in den Nischen und Win­keln des Sozi­al­staa­tes gemüt­lich gemacht haben, betrei­ben eine Umver­tei­lung min­des­tens so pro­ble­ma­tisch wie die Meinls.“ Zwar unter­stellt Rau­scher nicht, dass diese Men­schen an der Krise Schuld seien. Den­noch ist die Funk­tion die­ser Äuße­run­gen klar: Die unglei­che Ein­kom­mens– und Ver­mö­gens­ver­tei­lung ist gerecht­fer­tigt, und schwarze Schafe gibt es nun mal über­all. Daher müs­sen auch alle den Gür­tel enger schnal­len – wir wer­den die For­de­run­gen nach Lohn­ver­zicht schon bald zu hören bekom­men, wenn es um die Finan­zie­rung der Krise geht. Daher muss die Debatte genutzt wer­den, einige For­de­run­gen auch durch­zu­set­zen. Am lau­tes­ten dis­ku­tiert wird in Öster­reich der­zeit die Ver­mö­gen­steuer. Diese Debatte gilt es aus­zu­wei­ten – auf Ver­tei­lung, Lohn­po­li­tik und die Frage nach der Gesell­schaft, in der wir leben möchten.

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