Die Logik des Exportweltmeisters

Klemens Himpele am 5. April 2010 um 10:25h

In Deutsch­land ist man irr­sin­nig stolz dar­auf, dass Deutsch­land so viel expor­tiert und wenig impor­tiert. Eine ähnli­che Poli­tik fährt auch Öster­reich. Das Pro­blem an der Sache: Wenn ein Land Export­über­schüsse hat, dann braucht ein ande­res Import­über­schüsse, denn in Summe aller Län­der der Welt müs­sen sich Exporte und Importe immer zu Null addie­ren. Mit ande­ren Wor­ten: Das Import­land ver­schul­det sich beim Export­land. Noch anders: Zahl­rei­che Län­der der EU (und dar­über hin­aus) sind bei Deutsch­land ver­schul­det. Nun for­dert die ver­öf­fent­lichte Mei­nung in Deutsch­land, die Schul­den­län­der soll­ten mal weni­ger Schul­den machen, gleich­zei­tig wird von Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Brü­derle (FDP) eine Außen­wirt­schafts­of­fen­sive ange­kün­digt, um die Exporte zu stär­ken. Das nenne ich Logik: Die ande­ren sol­len spa­ren, mehr Über­schüsse erwirt­schaf­ten und mehr deut­sche Waren kau­fen. Wie das gehen soll, bleibt dabei uner­klärt. Ohne dau­er­haft aus­ge­gli­chene Bilan­zen wird es keine Sta­bi­li­tät geben. Und ohne höhere Löhne in Deutsch­land (=Bin­nen­nach­frage stär­ken) wird es keine Ver­tei­lung des erwirt­schaf­te­ten Wohl­stands geben. Ober­leh­rer­haf­tes Getue ist weder ange­bracht noch hilf­reich. Mehr Importe oder weni­ger Exporte, in jedem Fall eine stär­kere Bin­nen­nach­frage, das wäre ein stra­te­gisch sinn­vol­les Ziel für die Bundesrepublik.

Siehe auch den FTD-​​Beitrag von Hei­ner Flass­beck und Frie­de­ri­cke Spiecker PDF.


Ein Kommentar:

  1. a.mor am 14.April 2010 um 21:21h

    die auf­ge­zeig­ten zusam­men­änge für exporte + importe, tref­fen grund­sätz­li­cher, also tie­fer­ge­hen­der betrach­tet auch auf gut­ha­ben + schul­den zu!

    daher ist das bei­spiel mit den fin­gern, wo der zwar der zei­ge­fin­ger auf den/​die and­ren zeigt, aber mittel-​​, ring– u. klei­ner fin­ger auf einem sel­ber zei­gen, ein höchst brauch­ba­res.
    berich­ten in den medien zufolge, mei­nen auch viele in der regie­rung, es könn­ten schul­den abge­baut wer­den + gleich­zei­tig die gut­ha­ben unan­ge­tas­tet blei­ben. und damit bedie­nen sich jene der sel­ben gro­tes­ken logik wie die oben ange­führ­ten welt­meis­ter.
    daher ist die inkon­sitenz nicht nur auf der eu-​​ebene fest­stell­bar, weil die ansätze der öster­rei­chi­schen bun­des­po­li­tik sind nicht weni­ger bizarr.


Kommentieren

Um einen Kommentar zu hinterlassen, müssen Sie angemeldet sein.

Noch keine Kommentare.

Zum Anfang der Seite